ECKERNFÖRDER ZEITUNG

Ein Leiter für zwei Schulen

19. Januar 2008 | Von org

Ein Schulleiter leitet eine Schule. Das ist der Normalfall. Uwe Löptien aber, seit 20 Jahren Chef der Büdelsdorfer Bertolt-Brecht-Schule, ist seit fast einem halben Jahr zusätzlich auch für die Realschule Altenholz zuständig.

Zwei Jobs: Uwe Löptien an seinem Schreibtisch in der Bertolt-Brecht-Schule.Foto: org

 

 

Büdelsdorf - Am kommenden Freitag wird Uwe Löptien an der Realschule Altenholz als Schulleiter verabschiedet. Allerdings wird der 60-Jährige nicht in den Ruhestand gehen, sondern sich wieder allein auf seine Aufgabe als Schulleiter an der Büdelsdorfer Bertolt-Brecht-Schule konzentrieren - im vergangenen halben Jahr hat Löptien beiden Schulen gleichzeitig geleitet.

 Ein Chef für zwei Schulen, die zudem noch fast 40 Kilometer von einander entfernt sind - das hat auch der Rendsburger Schulrat Hans Kaack in seiner langen Karriere noch nicht erlebt. "Es hat sich um einen akuten und ungewöhnlichen Notfall gehandelt", erklärte Kaack. An der Realschule Altenholz gingen zu Beginn des Schuljahres der Schulleiter und die Konrektorin fast zeitgleich in den Ruhestand. Eine Ausschreibung der Stelle war zu diesem Zeitpunkt nicht möglich - zuerst musste die Genehmigung zur Umwandlung der Realschule in eine Regionalschule abgewartet werden.


Die Suche begann. Die Anforderungen: Es musste ein erfahrener Schulleiter sein, der zudem der Doppelbelastung gewachsen war. Der Schulrat benannte Uwe Löptien, seit 20 Jahren Leiter der Büdelsdorfer Bertolt-Brecht-Schule. "Beworben habe ich mich nicht", sagte der.


Seit August pendelt Löptien zwischen "seinen" beiden Schulen: Zwei Tage Altenholz, drei Tage Büdelsdorf. Und dazwischen ungezählte Telefonate mit dem jeweils anderen Standort. Ein aufreibendes Geschäft. Das geht nur über eine begrenzte Zeit - das aber war auch von Beginn an klar.



Über den erheblich gestiegenen Arbeitsaufwand beklagt sich der 60-Jährige nicht. "Das stecke ich weg." Und dass er nicht beide Schulen gleichzeitig hundertprozentig leiten kann, ist ihm auch klar. Und dass er für seinen "Zweitjob" keinen Cent mehr überwiesen bekommt, ist selbstverständlich.


Die eigentliche Schwierigkeit liegt in den sehr unterschiedlichen Aufgaben, die er an den beiden Schulen neben der üblichen Arbeit zu leisten hat: Die Büdelsdorfer Bertolt-Brecht-Schule muss zusammen mit der Klaus-Groth-Schule zu einer Gemeinschaftsschule entwickelt werden, die Realschule Altenholz zu einer Regionalschule.


Jede einzelne Aufgabe bedeutet für sich schon Neuland und höchsten Einsatz. So etwas geht auch an dem erfahrenen Uwe Löptien nicht spurlos vorbei. "Die Belastung dieser beiden so unterschiedlichen Systeme habe ich auch nach Feierabend nicht immer ganz abschütteln können."


Dass er froh darüber ist, dass die Doppelbelastung Ende nächster Woche vorüber ist, will Löptien allerdings auch nicht behaupten. "Die Menschen und die Schule in Altenholz sind mir schon ans Herz gewachsen."