30 Jahre Schüleraustausch

13. Februar 2010 | Von Tina Jäger

 

Schulleiter Thomas Haß und Französisch-Lehrerin Ruth Hoffmann präsentieren auf der Karte das Reiseziel der Schüler, die zum Jubiläum selbstentworfenen T-Shirts und ein von der Kunstlehrerin Maria Christensen aus diesem Anlass angefertigtes Gemälde.

Foto: Jäger

Lehrerin Ruth Hoffmann erinnert sich genau. Zwei Jahre ist es her. Nur wenige Stunden vor Abflug ihrer Gruppe von Schülern der Altenholzer Regionalschule aus dem französischen Châteaurenard, steht einer der Schüler plötzlich ohne Pass da. Das Portemonnaie wurde ihm geklaut. Was tun? In einer Nacht und Nebelaktion klapperte sie das Konsulat in Marseille und den Honorarkonsul in Avignon ab, letztendlich mit Erfolg. Der Schüler hatte Glück, mehr als ein anderer, der samt seiner französischen Gastfamilie den Abflugtermin verpasst hatte und daher am nächsten Tag von der französischen Betreuungslehrkraft des Austausches Marie-Françoise Algrin in Paris ins Flugzeug gesetzt wurde.

Überraschende Blinddarm-Operationen, Arm- und Beinbrüche und auch Tränen und Herzschmerz beim Abschied - "auf jedem Austausch passiert etwas Schönes, etwas Schlimmes, garantiert aber auch etwas Spannendes", sagt Ruth Hoffmann, und das in diesem Jahr bereits zum 30. Mal. Am Montag startet eine Gruppe von 18 Schülern der Regionalschule Altenholz erneut in das Abenteuer Schüleraustausch. Die 13- und 14-Jährigen werden zwei Wochen in der Provence verbringen, am schulischen Unterricht des privaten katholischen St. Josèph Collège teilnehmen, sowie Ausflüge nach Marseille, Avignon, und Arles unternehmen.

Jeder von ihnen wird "mit offenen Armen" von einer Gastfamilie aufgenommen und so das Land nicht nur als Tourist, sondern als familiärer Gast erleben. "Es ist sehr schön zu sehen, wie Vorurteile durch den Austausch abgebaut werden. Dabei sind schon tolle Freundschaften fürs Leben entstanden", sagt Hoffmann. Es gehe für die Jugendlichen darum, "ein Stückchen weit erwachsen zu werden", um den Zuwachs an Sprache und das Kennenlernen einer anderen Kultur.


Gerade weil Französisch an der Regionalschule in Zukunft ein "Kann-Fach" sein wird, "wollen wir durch diesen Austausch Lebendigkeit in der Sprache erreichen und, dass aus der Fremdsprache eine Freundsprache wird", erklärt Schulleiter Thomas Haß, der selbst in der zweiten Woche des Aufenthaltes anlässlich des Jubiläums dazustoßen wird. Im Rathaus von Bürgermeister Bernard Reynes werden die deutschen Schüler bei einem festlichen Empfang in extra zum Jubiläum angefertigten T-Shirts auflaufen und Geschenke als Dank für die jahrelange Freundschaft, nicht nur zwischen den beiden Schulen, sondern seit 1991 auch zwischen den Städten Châteaurenard und Altenholz überreichen. Für Marie-Françoise Algrin, die zusammen mit ihren deutschen Kolleginnen Brigitte Leßmann und Ingrid Heller den Austausch 1980 erstmals ins Leben gerufen hat, hat sich Ruth Hoffman etwas ganz besonderes ausgedacht, ein Fotobuch mit Bildern aus den vergangenen 30 Jahren. "Meine Kollegin war 25, als sie damit angefangen hat, jetzt ist sie 55. Das ist ein halbes Leben, das da dokumentiert ist", sagt Hoffmann. So haben heute auch häufig schon die Mütter der Austauschschüler selbst in ihrer Schulzeit an dem Programm teilgenommen.


Ausgefallen ist der Austausch in den 30 Jahren nicht ein einziges Mal, selbst als infolge der Rinderwahnseuche laut einem Erlass des Ministeriums kein Austausch stattfinden sollte, schrieben die Lehrer der Altenholzer Schule einen Protestbrief und setzten sich damit letztendlich auch durch.