Nein zur Schulerweiterung in Stift

27. März 2010 | 06:30 Uhr | Von Susanne Meise

 

 

Das ZDF verfolgte die Beratung des Schulausschusses für einen Beitrag, der am Ostersonnabend ausgestrahlt wird.

                                                                       Foto: Meise

Tiefe Enttäuschung bei Dr. Peter Wenners, Rektor des Gymnasiums, und Thomas Haß, Leiter der Regionalschule: Der Schulausschuss hat in seiner Sitzung am Donnerstagabend einen Ausbau des Schulzentrums Stift mehrheitlich abgelehnt und keine Aussage dazu getroffen, wieviel Züge die Einrichtungen haben sollen.

Vor der Sitzung hatten SPD und FDP sich gegen eine Begrenzung der Schülerzahlen ausgesprochen, die bei zu vielen Anmeldungen denkbar wäre (wir berichteten). Im Ausschuss aber vertrat SPD-Fraktionschef Wolfgang Weiß mit seinen Kollegen allein die Ansicht, dass es "unsäglich wäre", die Aufnahmezahlen zu begrenzen, nachdem es endlich die freie Schulwahl gebe.

Wenn Altenholzer Kinder auf Kieler Schulen gingen, müsse das auch umgekehrt möglich sein, forderte Weiß und beantragte, in die Erweiterung des Schulzentrums zu investieren. Winfried Oppenhoff (FDP) interessierte lediglich, was ohne weiteren Ausbau mit den Fachräumen ist, die bereits jetzt an den Schulen fehlten.

Die CDU sprach sich dagegen aus, derzeit einen weiteren Bauabschnitt anzupacken und beantragte, die Aufnahmekapazität ab dem Schuljahr 2010/11 so zu begrenzen, dass die Schulen mit den vorhandenen Räumen auskommen. Das höre sich vielleicht bildungsfeindlich an, räumte Dr. Volker Clauß ein. Doch die Schülerzahlen der nächsten Jahre seien nicht zu kalkulieren, ob der Druck von Kieler Schülern auf die Altenholzer Schulen anhalte, wisse die Gemeinde nicht, und 2016 würde mit der Entlassung zweier Abiturjahrgänge (G8 und G9) eine Entspannung erreicht. "Gesamtgesellschaftlich ist es für die Steuerzahler nicht zu verantworten, in Steine zu investieren, wenn es an Kieler Schulen freie Kapazitäten gibt", sagte Clauß. Altenholz könne nicht die Fehler der Kieler Schulpolitik ausbügeln wollen, fügte der CDU-Fraktionsvorsitzende Jürgen Schlüter hinzu. "Das ist eine Nummer zu groß für uns und mindestens zwei Nummern zu teuer."

Antje Hirschfeld (AWG) schloss sich den Ausführungen der CDU an. Die Tim-Kröger-Schule in Kiel beispielsweise sei leer und warte auf Anmeldungen, dort könnten die Kinder aus dem Kieler Norden hingehen. Das Schulgebilde in Stift zu vergrößern hielt sie nicht für "qualitätsfördernd". Außerdem würde das die schon jetzt angespannte Verkehrslage in Stift verschärfen.

Mit zwei Gegenstimmen der SPD wurde dem Antrag der CDU gefolgt. Doch zur Begrenzung der Aufnahmekapazität verloren die Ausschussmitglieder kein Wort und ließen die Schulleiter allein mit den Anmeldungen, die nach derzeitigem Stand für die Regionalschule eine Dreizügigkeit und für das Gymnasium eine Sechszügigkeit erforderten. "Das kommt überraschend", sagte Thomas Haß und erinnerte an die Beratungen vor einem Jahr, bei denen eine Begrenzung der Zügigkeit nicht gewollt war. Jetzt heiße es genau das Gegenteil, stellte Haß fest. "Wir müssen unsere Konzepte überdenken." Es sei möglich, dass es zu Ablehnungen von Schülern komme, sagte Dr. Peter Wenners - in welcher Größenordnung und aus welchen Orten sei dabei noch offen. Es sei bitter, dass die Überlegungen zum Neubau der Grundschule von der Raumnot an Regionalschule und vor allem dem Gymnasium ausgelöst wurde, das nun leer ausgehe, sagte Wenners weiter. Dabei sei nur von Klassenräumen die Rede, die differenzierteren Gruppenräume seien noch nicht einmal erwähnt.

Martina Görschen-Weller, Vorsitzende des Elternbeirats, sieht bei einer Begrenzung der Schülerzahlen die Vielfalt der Profile des Gymnasiums in Gefahr - pro Zug konnte bisher eins angeboten werden. "Das Ganze hat also nicht nur mit Quantität, sondern auch mit Qualität zu tun", gab sie zu bedenken. Auch würde unter dem Prinzip der Wanderklassen, das die Raumnot mit sich bringe, das Sozialverhalten, die Identifikation der Schüler mit ihrer Umgebung leiden.

Görschen-Weller bezweifelte zudem, dass die Gemeinde es der Schule überlassen könne, wie mit den Anmeldungen umzugehen ist. Eine Aussage zur Zügigkeit müsse vom Schulträger kommen. Die Vorsitzende des Schulausschusses, Dr. Heide König, signalisierte unterdessen Bereitschaft, das vor der Gemeindevertretung am Mittwoch nachzuholen.

Die Diskussion um den Schulstand weckte auch das Interesse des Fernsehens. Das ZDF strahlt am Sonnabend, 3. April, um 17.05 Uhr im Länderspiegel zu sehen sein wird.