Pavillons stehen vor dem Abriss

23. Oktober 2010 | 04:05 Uhr | Von Susanne Meise

 

Die acht Klassen in den rund 40 Jahre alten Pavillons an der Posener Straße sind ab Montag vorsorglich für den Unterricht gesperrt.                                   Foto: Lauterbach

Mitten in den Bemühungen, die finanzielle Schieflage der Gemeinde aufzufangen und den Haushalt wieder in gerade Bahnen zu bringen, trifft Altenholz ein schwerer Schlag: In den Pavillons am Schulzentrum Stift wurden Schimmel und Ausdünstungen von Formaldehyd festgestellt, die eine vorsorgliche Sperrung der Räume erforderlich machen. Ein Neubau scheint nunmehr unausweichlich.

Eine turnusmäßige Messung der Ausdünstung in den Pavillonklassen hat ergeben, dass in einigen der acht Räume ein erhöhter Wert an Schimmelpilzen und geringe Mengen an Formaldehyd festzustellen sind. Da es keine Grenz-, sondern nur Richtwerte gibt, veran-lasste Bürgermeister Horst Striebich eine Begehung mit Vertretern des Labors und den Fraktionsvor-sitzenden.

 

"Das Ganze ist nur eine Momentaufnahme und kann sich noch in die positive oder negative Richtung weiterentwickeln", erklärte Striebich. Die Toxikologin habe jedoch zu bedenken gegeben, dass für das Immunsystem von Kindern ein anderer Maßstab anzulegen und besser Vorsorge zu treffen sei. "Wir haben daher entschieden, die Pavillons ab Montag zu sperren", teilte der Verwaltungschef mit.

Eine Sanierung der etwa 40 Jahre alten Pavillons lohne nicht mehr, sagte Bauamtsleiterin Sigrid Köhncke. Auch eine Klarlackversiegelung mit gleichzeitiger Querlüftung löse das Problem nicht. Die Pavillons müssten weggerissen und zunächst vier Klassen neu gebaut werden, fügte Striebich hinzu. Das unterlaufe zwar die Bemühungen, den Haushalt zu konsolidieren. Doch es führe kein Weg daran vorbei. Der Kämmerer sei beauftragt zu prüfen, ob günstig Gelder aus dem Kommunalen Investitionsfonds zur Verfügung stehen.

Nicht ganz überraschend kam die schlechte Nachricht für Jürgen Schlüter, Fraktionschef der CDU. Es habe die Hoffnung bestanden, einige Klassen weiter nutzen zu können. Doch die Sperrung sei unumgänglich, machte Schlüter deutlich. Mittel- und langfristig werde die Gemeinde neu bauen müssen, wobei es ausgesprochen schwierig werde, das mit den Überlegungen zu den Einsparungen in Einklang zu bringen. Auch das neue Schulgesetz und die Entwicklung der Schülerzahlen bis 2016 sei zu beachten. Schlüter: "Wir müssen scharf nachdenken." Er hofft, dass es den Schulleitungen gelingt, eine Übergangslösung zu finden, die den Schülern gerecht wird. Womöglich könnten freie Kapazitäten an der Claus-Rixen-Schule in Klausdorf genutzt werden.

Das Thema sei jahrelang geschoben worden, "wir wussten, dass das auf uns zukommt", räumt Hans-Werner Suhr, Fraktionsvorsitzender der AWG, ein. Dass es gerade jetzt angepackt werden muss, treffe die Gemeinde hart. "Aber wir müssen reagieren", so Suhr. Eine Containerlösung kommt für ihn wie auch für Dieter Jessen, Vorsitzender des Bündnis 90/Die Grünen, nicht in Frage - "zu teuer". Eigentlich habe man als nächstes den Bau einer Mensa im Blick gehabt, sagt Wolfgang Weiß, Fraktionschef der SPD. Nun sei zu gucken, wie etwas geschoben oder gekoppelt werden könne. Die Reihenfolge umzudrehen ist auch für Jens Ruge, FDP-Fraktionsvorsitzender, eine Lösung. Für ihn steht fest, dass bis zum nächsten Schuljahr etwas stehen muss - in welcher Form, dazu soll sich die Verwaltung Gedanken machen und Alternativen erarbeiten, die dann im Schulausschuss beraten werden.

Eine Entscheidung in dieser Klarheit hätte sich Uta Fischer, Leiterin der Claus-Rixen-Schule, vor Beginn des Schuljahres und der Verteilung der Räume gewünscht, machte sie deutlich. Dem stimmte Thomas Haß, Leiter der Regionalschule zu. Gerade habe man sich Gedanken zur Raumnutzung gemacht und tausende Bücher in die Pavillons geräumt und dort archiviert. "Nun müssen wir sehen, ob dafür im alten Grundschulgebäude noch Kapazitäten sind", sagte Haß. Außerdem fehlten sowohl den 108 Grundschülern die Fachräume für Musik und Werken als auch den 150 Schülern der Regionalschule der Musikraum. Dem Gymnasium gingen weitere Fachräume verloren, machte Haß deutlich, der bedauerte, dass die Improvisation zum Dauerthema am Schulzentrum wird.

Nach Schätzung von Bürgermeister Striebich wird ein weiteres Jahr ohne einen Ersatz für die Pavillonklassen zu überbrücken sein, wenn schnellstmöglich mit einem Neubau begonnen wird - "ohne zu berücksichtigen, wie der Winter ausfällt".