Klischees auf der Spur

16. Februar 2011 | 06:35 Uhr | Von Susanne Meise

Die Deutschen sind groß, blond, haben blaue Augen und lieben die Sauberkeit. Ob diese ihnen bekannten Klischees tatsächlich stimmen, werden die 23 Jugendlichen aus Châteaurenard in den nächsten Tagen herausfinden. Für zwei Wochen sind sie bei Schülern der Regionalschule Altenholz zu Gast und pflegen so einen seit 31 Jahren bestehenden Austausch.

In den Vorjahren wählten die jungen Franzosen aus der Provence für ihre Reise immer den April, berichtet Ruth Hoffmann, Fachbereichsleiterin Französisch an der Regionalschule, die den Austausch gemeinsam mit Marie-Francoise Algrin aus Châteaurenard organisiert. Weil Außenaktivitäten aufgrund des Wetters nahezu ausgeschlossen sind, sei es nicht ganz einfach gewesen, das Programm zusammenzustellen. Doch Besuche in der Phänomenta in Flensburg, in Sonderburg, im Kieler Mediendom und auf einem Schiff der Stena-Line versprechen neben den Angeboten der Gastfamilien interessante Eindrücke.

Die nahmen die Schüler auch aus dem Rathaus mit, wo Bürgermeister Carlo Ehrich sie gestern Vormittag willkommen hieß. Er gestand, dass er es schon oft bedauert habe, in der Schule Latein und nicht Französisch gelernt zu haben. "Aber noch nie habe ich es so bedauert wie heute", sagte Ehrich. Hätte er vor 30 Jahren gewusst, dass die Begrüßung der Delegation aus Altenholz französischer Partnerstadt einmal auf ihn zukäme - er hätte sich anders entschieden, versicherte Ehrich, der den Kontakt zwischen Menschen verschiedener Nationen für sehr wichtig hält. "So lernt man Sprachen, Kulturen, Speisen und Gewohnheiten kennen", meinte Ehrich und verriet den jungen Franzosen, dass ein Leben in Deutschland ohne Wein aus ihrer Heimat, Champagner, Baguette und Sartre gar nicht mehr denkbar ist. Er wünschte den Gästen der Regionalschule, dass sie viel über Land und Menschen in Erfahrung bringen und vielleicht das ein oder andere mitgebrachte Vorurteil abbauen können.

Es sei eine große Ehre, den neuen Bürgermeister kennen zu lernen, erklärte Marie-Francoise Algrin und rief in Erinnerung, dass die tiefe Freundschaft mit der Realschule, heute Regionalschule, 1979 begann und immer mehr vertieft werden konnte, so dass 1991 auch eine Partnerschaft auf kommunaler Ebene daraus erwachsen konnte. Für einen Vorgeschmack auf den Besuch des Städtepartnerschaftskomitees zu Pfingsten überreichte sie Ehrich ein Duftkissen, Marmelade und Schnaps - kleine Schätze der Provence für die Sinne. Der Freundschaft sowohl zwischen den Schulen als auch den Gemeinden wünschte sie, dass sie weiter wächst.

Daran ist auch Thomas Haß gelegen, Leiter der Regionalschule. Er bedauerte, dass mit Abschaffung der Pflicht, Französisch als zweite Fremdsprache zu erlernen, die Zahl der Schüler, die sich für die Sprache interessieren, von über 50 auf 18 geschrumpft ist. Im Vergleich zu anderen Schulen sei das aber noch viel, hob Haß hervor. "Und wir werden alles dafür tun, in Zukunft mehr Schüler davon zu überzeugen, dass der Französischunterricht wichtig für sie ist", führte der Schulleiter weiter aus und ließ wissen, dass derzeit an einem neuen Schulprogramm gearbeitet werde, in dem die französische Sprache und der Austausch mit Châteaurenard an oberster Stelle stehe.

Link zu eigenen Fotos vom 15.02.2011