17. Februar 2012 | 00:10 Uhr | Von Miriam Richter

Tot umfallen im Schulunterricht

 

 

"Jetzt fallt ihr um und seid alle tot.": Die Schüler des Wahlpflichtkurses Theater üben auf Schloss Noer. Merle Weidemann (stehend) betrachtet ihre "toten" Mitschüler.

Foto: richter

 

Schüler der Regionalschule Altenholz proben seit Mittwoch Theater und Gesang auf Schloss Noer / Vorführung im März

Altenholz / Noer. Laute Musik erfüllt das Kaminzimmer im Schloss Noer. Die Schüler der siebten und achten Klasse der Regionalschule Altenholz, die als Wahlpflichtkurs Theater gewählt haben, gehen durch den Raum. Auf einmal stoppt die Musik, und eine Stimme ruft: "Jetzt fallt ihr um und seid alle tot." Die 29 Schüler fallen um und bleiben regungslos liegen...

Schulunterricht, mal etwas anders, erleben die beiden Theatergruppen und die Chorgruppe der fünften und sechsten Klasse drei Tage lang in Noer. Die achte Klasse hat als Thema "Krimi?!". Sie habe ein Thema gewählt, welches die Schüler anspreche und die Möglichkeit des Boulevard-Theaters, aber auch anspruchsvollerer Themen böte, berichtet die Lehrerin Anica Gehrmann. Mit "Krimi?!" haben sie schon vergangenes Jahr angefangen und das Stück "Können Papageien Mörder sein" einstudiert, sagt Gehrmann. Dieses Jahr sei mit Friedrich Dürrenmatts "Besuch der alten Dame" ein etwas anspruchsvolleres Stück ausgewählt worden.

Der Wahlpflichtkursus Theater, der normalerweise zweistündig pro Woche unterrichtet wird, werde normal benotet wie andere Fächer auch. "Zum Abschluss führen wir das Stück Anfang März öffentlich in der Schule auf, das ist dann wie eine Klassenarbeit", sagt Gehrmann. Das Thema der siebten Klasse ist "Liebe und andere Katastrophen", bei dem eine Schlagerrevue einstudiert wird.

"Der Aufenthalt in Noer hat eine lange Tradition. Hier können wir uns losgelöst vom normalen Unterricht bewegen. Die erste Frage am Anfang des Schuljahres ist, ob wir nach Noer fahren", erzählt Gehrmann, die die drei Tage mit ihren Kolleginnen Renate Mönig, Katja Coordes und Maren Bunk gestaltet. "Es ist faszinierend, mit welcher Freude die Kinder herangehen. Man erreicht die Schüler auf anderen Kanälen als in der Schule", erzählt Gehrmann weiter. Die Schüler würden sich sichtbar entwickeln und auf spielerische Art ihr Selbstbewusstsein aufbauen und stärken.

"In der achten Klasse sind wir im Endstadium. Wir verfeinern einzelne Szenen und sichern die Texte", so Gehrmann. In der siebten Klasse habe man kleine Texte und Pantomime geübt. Für die Schlagerrevue, die unter dem Motto "Reisen" stehe, habe man angefangen, "Theo, wir fahr’n nach Lodz" und "Es fährt ein Zug nach nirgendwo" zu üben.

Die Chorgruppe mit 25 Schülern probt das Musical "Shootingstar". "Wir üben intensiver", sagt die Lehrerin Maren Bunk, die das erste Mal in Noer dabei ist. "Der Aufenthalt bringt was, die Kinder haben mehr Spaß, und er wächst von Tag zu Tag, weil man mehr Zeit hat, sich mit den Liedern zu beschäftigen."

Merle Weidemann (14), Kyra Weiß (13) und Georg Willenborg (14) aus der achten Klasse sind begeistert von dem Unterricht. "Ich finde es toll. Es macht Spaß, und man hat seine Freunde dabei. Außerdem kann man sich besser aufs Lernen konzentrieren", erzählt Merle. Kyra, die die Milliardärin im Stück spielt, mag am Theater, dass man in viele Rollen schlüpfen kann. "Die Milliardärin ist meine Traumrolle. Sie ist mal was anderes, denn das, was ich spiele, so bin ich eigentlich nicht." Merle, Kyra und Georg spielen schon länger Theater. Aber Lampenfieber, das haben sie alle. Merle lacht und erklärt: "Es gehört einfach dazu."