Eiche von Altenholz

 

Die Gemeinde Altenholz bei Kiel hat uns eine Scheibe ihrer 224jährigen Eiche geschenkt. Wir haben sie als eindrucksvolles Schaustück präpariert und in der Eingangshalle unserer Schule aufgestellt.

Der Baumriese hatte an seinem ehemaligen Standort eine Höhe von 28 m und eine Kronenbreite von 21 m erreicht, sein Stamm­umfang betrug 4,70 m. Mit Hilfe der Jahresringanalyse des Ordinariats für Holzbiologie der Universität Hamburg wurde das Leben dieser Eiche genau zurückverfolgt.

Leider musste der prächtige Baum gefällt werden, nachdem ihm die 60er Jahre mit verschlechterten Wachstumsbedingungen sehr zu schaffen gemacht hatten.

Von nun an erzählen uns seine Jahresringe etwas aus der Geschichte unseres Landes, besonders über bedeutende Ereignisse für die Landschaft und die Natur Schleswig-Holsteins.

 

1753   Als die Eiche ihr Leben begann, gehörte das Land ringsum zum Meierhofe Stift des 1571/75 entstandenen adeligen Gutes Seekamp. Dieser Meierhof war um 1600 ausgelegt worden als Meierhof Holtena (Holtenau). Um 1680 wurden die Hofgebäude von Holtenau nach Denstüfkoppeln verlegt. Hier entstand die neue Hofanlage mit Wirtschaftsgebäuden, Pächterhaus und Inspektorhaus. Nur das letztere ist noch heute vorhanden, ein Bau von 1791. Zum gute Seekamp gehörten außerdem die Leibeigenendörfer Holtenau, Pries und Schilksee. Eigentümer waren die Grafen Schack auf Schackenburg in Nordschleswig. Die Hofländereien von Seekamp und Stift waren verpachtet. Die Leibeigenen mussten Hofdienste leisten.

1788/89  Das Gut Seekamp mit dem Meierhofe Stift und den drei Gutsdörfern wird von dem Landmesser Paul Ingwersen aus Langenhorn vermessen, da beabsichtigt ist, die Hofländereien von Seekamp zu parzellieren und die Leibeigenschaft auf­zuheben. Ergebnis: das gesamte Gut Seekamp, das für 16 Pflüge kontribuierte, hatte eine Größe von 2829 Seekamper Tonnen (etwa 1605 ha).

1791   Hof Seekamp wird in Parzellen verkauft, der Meierhof Stift bleibt bestehen und wird Stammhof, d.h. Herrschaftshof des bisherigen Gutsbesitzers. Die Leibeigenschaft wird aufge­hoben. Das Acker- und Wiesenland von Stift wird verpachtet (etwa 177 ha), die 6 Waldungen (etwa 70 ha) bleiben im Besitz der Gutsherrschaft und werden von einem Waldvogt beaufsichtigt. Die Stifter Eiche ist inzwischen 38 Jahre alt.

1816    Der Stifter Gutsinspektor legt in der Nähe der Eiche die Stifterallee an.

1876 Der Gutsbezirk Seekamp, der als Verwaltungseinheit bestehen geblieben war, wird aufgelöst. Es bleibt bestehen der Gutsbezirk Stift in der Größe von 262 ha mit (1880) 45 Einwohnern.

1905/06   Graf Otto Dietrich Schack verkauft das Gut Stift an den Bauunternehmer Klaus Friedrich Fahrenkrug. Dieser erbaut 1907 das heute noch stehende Kuhhaus (jetzt Supermarkt).

1915 Fahrenkrug verkauft Gut Stift an den Großschlachtermeister und Viehimporteur Richard G. Danielsen. Er lässt 1919/20 das heutige weiße Herrenhaus errichten, 1924 die Kornscheune (heute Restaurant und Arztpraxis).

1928 Bei der Auflösung der Gutsbezirke entsteht die Gemeinde Klausdorf mit 1947 ha und rund 800 Einwohnern.

1930    Das Gut Stift wird parzelliert, es entstehen mehrere Bauernhöfe.

1939 Die Gemeinde Klausdorf wird in Altenholz umbenannt. Die Eiche  gehört zum Ortsteil Stift.

1950 Die Neubautätigkeit in Stift beginnt. Das ehemalige Gutsland wird für Wohnzwecke aufgekauft. Inmitten der Neubauten steht weiterhin die Eiche, deren Leben und Wachstum aber durch den Straßenbau hart bedrängt wird.

1977 Die Eiche von Altenholz - Stift wird gefällt.

 

Außerdem erkennt der Betrachter auf dem Stammquerschnitt von 1,85 m Durchmesser das ältere Kernholz zur Festigung, das jüngere Splintholz zur Wasserleitung und Speicherung, die Wachstumszone und die Borke, so dass er eine Vorstellung von der Nährstoffversorgung und des Dickenwachstums einer solchen Pflanze gewinnt.

 

Literatur zu den obigen Daten und Ereignissen:

Nicolaus Detlefsen,   das ehemalige Gut Stift im Dänischen Wohld.

In: Jahrbuch der Heimatgemeinschaft Eckerförde e.v. 35 (1977), s. 69-95.

Nicolaus Detlefsen, die Kieler Stadtteile nördlich des Kanals: Holtenau, Pries, Friedrichsort, Schilksee. 170 s. + 24 Bildseiten. Neumünster 1978