Schüleraustausch mit dem Collège „Les hautes Ourmes“  in Rennes/Bretagne.

Besuch der 15 Schülerinnen und Schüler in Altenholz vom 30.11.-9.12.2015 (weitere Bilder von Lübeck)

   

Besuch der 15 Schülerinnen und Schüler in Rennes vom 14.03.-22.03.2016

  

Für die Gemeinschaftsschule Altenholz war es das erste Mal, dass dieser Schüleraustausch mit Rennes durchgeführt wurde. Neu war auch die gute und erfolgreiche Kooperation mit der Gemeinschaftsschule Kronshagen, die hervorragend klappte.

Unsere Schüler kamen aus dem WPU-Unterricht der achten und neunten Klassen.

Vor Ort wurden wir herzlich willkommen geheißen und es entwickelte sich ein harmonisches Miteinander unter den deutschen und französischen Kolleginnen. Diese Stimmung übertrug sich auch auf die Schülerinnen und Schüler der beiden Austauschschulen und zog sich wie ein roter Faden durch alle Aktivitäten des bestens organisierten Aufenthalts.

Als wir am ersten Morgen nach einer 15-stündigen Busfahrt um 13.00 Uhr in Versailles ausstiegen, waren alle vom Prunk und der Schönheit der riesigen Parkanlagen beeindruckt. Die Innenbesichtigung des Schlosses musste leider ausfallen, da montags alle Museen in Frankreich geschlossen haben.

Gegen 17.00 Uhr trafen wir endlich in Rennes im „Collège Les hautes Ourmes“ ein. Jeder fand schnell seinen bekannten Partner und wurde auf der Stelle in seine französische Familie integriert.

Am nächsten Morgen bekamen wir ein leckeres „petit dejeuner“ in der Schulmensa mit frischen croissaints und heißer Schokolade. Wir besichtigten zunächst die Schule und lernten sie im Rahmen einer Rallye besser kennen. Im Weiteren erfuhren die deutschen Schüler viele Unterschiede zu unserem Schulleben:

Franzosen gehen im Durchschnitt bis 17 Uhr zur Schule, sie essen zu 90% mittags in der Schulkantine und essen eigentlich nie etwas zwischendurch.

Die französischen Schüler kommen zum Unterricht zu den Lehrkräften, die alle ihren eigenen Klassenraum haben. Die Räume sind individuell gestaltet und mit Whiteboards, Beamern und Laptops optimal ausgestattet. Kreide sucht man hier vergebens. Unseren Schülern fiel häufig auf, dass der Unterricht hier meist störungsfreier ablief und sich die Schüler viel disziplinierter verhielten, als sie es von Zuhause kannten. Auch, dass die Franzosen beim Betreten des Schulgeländes ihr sogenanntes „carnet“ vorzeigen müssen, überraschte unsere Schüler sehr. Wer eine Mütze trug, wurde schon am Eingang bei der Kontrolle mit einem Handzeichen kurz aufgefordert, diese abzunehmen. Alles, was nicht direkt mit dem Unterricht zu tun hat, wird im collége von schulischen Aufsichtskräften – sogenannten „surveillants“ – organisiert. Dies entlastet die Lehrkräfte sehr, die nur ein Fach unterrichten müssen.

Ich war positiv erstaunt, als ich erfuhr, dass hier die französischen Lehrer bei Erkrankung von Kollegen keinen Vertretungsunterricht zu leisten haben. Dafür stehen besondere Fachkräfte zur Verfügung.

Am Nachmittag lernten wir die moderne Metro kennen, die uns in 10 Minuten in die Altstadt transportierte. In einer ehemaligen Kirche, die jetzt das „Office du Tourisme“ beherbergt, lernten wir unsere Fremdenführerin kennen, die uns sehenswerte Gebäude zeigte.  Sie erzählte uns Interessantes über die Bretonen im Allgemeinen und die Stadtgeschichte im Besonderen.

Der Mittwoch bescherte uns eine Entdeckungsrallye auf dem kleinen Wochenmarkt namens
„St. Thérèse“ viel Vergnügen. Die bretonischen Spezialitäten wie  crêpes und galettes konnte man schon für sensationelle  60 ct kaufen. Die Bedeutung weiterer lokaler Spezialitäten – wie „homards fatigués“ und „araignées de mer“ - mussten von den Schülern erfragt und auf dem Arbeitsbogen eingetragen werden.

Am Donnerstag starteten wir mit 2 Bussen in Richtung Süden und erreichten nach 1,5 Stunden St. Nazaire. Hier besichtigten wir das Innenleben eines Kreuzfahrtschiffes aus den Jahren ab 1908/10. Man konnte das Leben auf dem Schiff und die Sehnsucht der Menschen nach Freiheit und einem besseren Leben in Amerika gut nachvollziehen. Plötzlich ertönte ein Warnsignal und alle Passagiere – also wir – mussten mit Schwimmwesten in die Rettungsboote steigen. Wir wurden an der Bordwand ca. 8m in die Tiefe herabgelassen und vor dem Ertrinken gerettet – quelle surprise!!!

Am Nachmittag besuchten wir in Guérande die Salzfelder und bekamen bei starkem Wind und Kälte eine Führung über die Felder. Dort sahen wir einem Salzbauern zu, der körperlich hart arbeiten musste und mit einer Schaufel den Algenbewuchs von der Wasserfläche entfernte. Im Informationszentrum fanden wir einen Shop und konnten zahlreiche Mitbringsel für zuhause erwerben. Das „fleur de sel“ und die leckeren bretonischen Karamellbonbons zählten zu den Favoriten. Auch die Butterkekse mit dem leicht salzigen Geschmack fanden großen Anklang und wurden gerne eingekauft.

Am Freitag nahmen wir an den jeweiligen Unterrichtsfächern unserer Austauschschüler teil und konnten interessante Beobachtungen machen. Eine Schulstunde dauert hier 10 Minuten länger als bei uns - also 55 Minuten.  

Nachmittags gab es ein Überraschungsevent für alle deutschen und französischen Schüler: Sie durften Lasertec spielen! Für die Jugendlichen ein wahres Highlight. Ein Teil der Lehrerschaft verfolgte das Treiben mit gemischten Gefühlen, ein anderer Teil griff selbst zur Waffe und musste aber den Kompetenzvorsprung der geübten Schülerschaft neidlos anerkennen.

Am Abend klang der Tag mit einer tollen Party in der Mensa des collège „Les Chalais“ aus. Die deutsch-französische Freundschaft wurde betanzt und gefeiert. Die französischen Eltern hatten ein vielfältiges und köstliches Buffet aufgebaut und die Stimmung war sehr gut und ausgelassen.

Das Wochenende wurde individuell von den Familien gestaltet. Einige machten Ausflüge nach St. Malo oder Nantes und am Montag herrschte ein reger Austausch unter den Jugendlichen über die unterschiedlichen Unternehmungen, Essgewohnheiten und sportlichen Betätigungen. Eine Reise lehrt eben viele interessante Unterschiede, die in keinem Lehrwerk stehen. Oft kehrt man mit einem anderen Bewusstsein als vor dem Reiseantritt zurück.

Der zweite Tagesausflug einen Tag vor unserer Abreise führte uns ca. 100km nach Norden an die Grenze zur Normandie.

In der Nähe von  Cancale besichtigten wir eine Austernfarm. Es wurde uns die Austernaufzucht per Film und Vortrag erklärt und später sahen wir den Arbeitern beim Reinigen und Verladen der Austern zu. Eine körperlich schwere Arbeit bei allen Wetterverhältnissen. Als Höhepunkt der Veranstaltung durfte jeder eine Austern probieren.  Die Kommentare reichten von lecker bis ungenießbar. Für die Mutigen war es auf jeden Fall eine Horizonterweiterung.

Wir fuhren weiter zum Mont St. Michel und versanken bei einer Wattwanderung im wirklich eisigen Wasser des Ärmelkanals bis zum Oberschenkel im Watt. Ein gewagtes Unterfangen, selbst wenn man als „Kieler Sprotte“ ebenfalls von der Küste kommt.

Der „sable mouvant“ lässt einen wirklich erschreckend schnell im Sand versinken und so mancher hatte Angst und fror. Im Nachhinein war es ein großes Abenteuer, aber wir waren dann doch froh, wieder im warmen Bus zu sitzen.

Ein gebuchter Führer erklärte, beantwortete Fragen und zum Schluss hatten die Kinder noch Zeit, auf den Mont hinaufzusteigen und die steilen und engen Gassen zu erkunden.  Es wurden schöne Fotos gemacht und viele belohnten sich mit einer Bestellung auf Französisch mit einem oder zwei crêpes.

Alles geht einmal zu Ende, es gab einige Abschlusstränen und schon ging es Richtung Heimat.

Geplant war eigentlich ein längerer Aufenthalt von mehreren Stunden in Paris. Dank der schnellen Medien erfuhren wir dann im Bus vom Terroranschlag in Brüssel und aus der hohen Verantwortung heraus, entschieden wir uns als Lehrkräfte, den Tag in Paris ausfallen zu lassen. Einige waren froh, andere freuten sich sehr auf diesen Abschluss, aber die politisch angespannte Situation ließ uns keine andere Wahl, als für die Sicherheit aller zu sorgen. Nach vielen Umwegen und Staus kamen wir nach 24 Stunden Busfahrt völlig erschöpft, aber glücklich morgens um 5.30 in Kiel an.

Es lebe dieser Schüleraustausch mit Frankreich, der den Schülern die Bedeutung der Begegnung einer fremden Kultur vermittelt, wie es eben kein Fremdsprachenunterricht im Klassenzimmer kann. Sprache ist Kommunikation und mit dem Erlernen einer fremden Sprache können wir Vorurteile abbauen. Toleranz leben und Interesse bei den Schülern wirklich lebendig machen.

Vor der Abreise hatten alle Schüler Tagebücher und Schreibaufträge erhalten um die Reise auf individuelle Art zu dokumentieren. Zeichnungen wurden angefertigt, Eintrittskarten  und Prospekte eingeklebt, Arbeitsbögen aus dem Unterricht sowie Kassenbons vom Shopping komplettierten die Aufzeichnungen und werden noch nach vielen Jahren die Erinnerung an diese erlebnisreiche Fahrt wach halten.

In der Nachbearbeitung wurden auf der Grundlage dieser Tagebücher und Aufzeichnungen vertiefende Themen vergeben, die jetzt zu Kurzvorträgen ausgearbeitet werden.  Die Schüler konnten dazu das vorhandene Fotomaterial nutzen und aus folgenden Themen auswählen:

1.       Versailles

2.       bretonische Spezialitäten (z.B. crepes, galettes, cidre, caramel, ...)

3.       Austern – La ferme marine de cancale

4.       Rennes – Die Hauptstadt der Bretagne

5.       Le voyage en paquebot

6.       Les marais salants (Die Salzgärten von Guerande)

7.       Lasertec (Spielregeln und Strategie)

8.       Besonderheiten in der französischen Schule am Beispiel:
Collège Les Hautes Ourmes

9.       Mont St. Michel - Wattwanderung

10.   Die Metro in Rennes

11.   Découverte du marché – Besonderheiten und Vielfalt

Es ist beabsichtigt, die besten Gruppenvorträge auf einem Abschlusstreffen den Eltern zu präsentieren.

Abschließend möchte ich mich noch besonders bei meinen französischen Kolleginnen Valérie Levot und Pascale Even ganz herzlich für die tolle Organisation, Durchführung und Betreuung des Austausches bedanken. Ich habe noch nie eine so großartige Gastfreundschaft erlebt. – Merci.

Christian Abelmann-Brockmann

Altenholz, den 18. April 2016