Schulzentrum wird ein teurer Magnet

Kieler Norden bleibt ohne Regionalschule

 

Altenholz – So viel ist klar: Das Altenholzer Schulzentrum in Stift platzt aus allen Nähten. Ab August nächsten Jahres gibt das Gymnasium einen Bedarf  von sieben zusätzlichen Räumen an, sofern die Pavillons nicht genutzt werden, und die Regionalschule bräuchte fünf weitere Klassenzimmer. Jetzt rückt ein Neubau in greifbare Nähe: Am Dienstag beauftragte der Sozialausschuss die Verwaltung damit, eine Lösung zu finden.

 

Knapp jeder vierte Altenholzer Gymnasiast stammt mittlerweile aus dem Kieler Norden, Tendenz steigend. „Im neuen fünften Jahrgang kommen 47 der 158 Kinder aus den Kieler Stadtteilen Holtenau, Friedrichsort und Schilksee“, schreibt Direktor Peter Wenners in einem Brief ans Rathaus. Zwar sei dieser Zuspruch durchaus wichtig und wünschenswert“. Inzwischen aber habe das Gymnasium keine Kapazitäten mehr. Ähnlich verhält es sich an der benachbarten Regionalschule.

„Es gibt im Gebäude keine weiteren Möglichkeiten, Klassen unterzubringen“, stellt Rektor Thomas Haß fest. Die vorhandenen Pavillons würden von Schülern abgelehnt, es rieche dort unangenehm. Täglich erhalte er jedoch Anrufe von Kieler Eltern. Jetzt benötige er von der Politik eine Empfehlung, wie viele fünfte Klassen es zum neuen Schuljahr geben soll. Derzeit besteht die Dreizügigkeit.

Dass Altenholz bei den Kielern so beliebt geworden ist, liegt unter anderem daran, dass die Landeshauptstadt nördlich des Kanals keine Regionalschule betreibt – auch künftig nicht, wie die Ratsversammlung vergangene Woche zementierte. Die Realschule Pries und die Hauptschu-

le Holtenau werden zwar per Schulgesetz formal in Regionalschulen umgewandelt, laufen aber aus; neue fünfte Klassen kommen nicht mehr hinzu. Die Grundschule Holtenau bleibt eigenständig erhalten, die Integrierte Gesamtschule Friedrichsort wird zur „Gemeinschaftsschule mitgebundener Ganztagsschule und gymnasialer Oberstufe“. Bei erhöhtem Bedarf darf sie die Gebäude in Pries als Außenstelle nutzen. Wer sein Kind zu einer Regionalschule schicken will, muss in die Wik ausweichen – oder nach Altenholz.

Die Zeit drängt, Mitte Februar beginnen die Anmeldungen. „Dürfen wir dann für uns werben?“, fragte Anica Gehrmann, Konrektorin an der Regionalschule. Ein klares Ja erhielt sie vorerst nicht, zumal ein Neubau bis zum Sommer niemals fertig wäre. Dennoch war im Ausschuss Aufbruchsstimmung zu spüren. „Auch wenn wir einen enormen Raumbedarf haben, ist es erfreulich, dass unsere Schulen auf gute Resonanz stoßen“, sagte die Vorsitzende Heide König (CDU). „Insofern sollte uns die Lage nicht traurig stimmen.“ CDU-Fraktionschef Jürgen Schlüter verwies auf ein 42-Millionen-Euro-Programm der Landesregierung, mit der Kommunen beim Schulbau unterstützt werden sollen. „Wir müssen schnell verhandeln, um berücksichtigt zu werden.“ Das sah Wolfgang Weiß (SPD) ähnlich. „Zuvor sollten wir uns aber die Frage stellen, ob ein Neubau oder doch eher ein Anbau sinnvoll wäre.“ Winfried Oppenhoff (FDP) war der einzige, der sich sofort für einen Neubau aussprach. Die anderen plädierten noch einmal für eine Prüfung.

Sollen für den Übergang Container gemietet oder gekauft werden? Ist ein Schulneubau tatsächlich politisch gewollt? So oder so: „Das alles wird riesige Summen verschlingen, die wir nicht in der Rücklage haben“, sagte Bürgermeister Horst Striebich (CDU). Im Gespräch waren am Dienstag zwei Millionen Euro, und Hans-Werner Suhr (AWG) ärgerte sich:. „Es war illusorisch, man könnte Schleswig-Holsteins Schullandschaft umgestalten, ohne die Kommunen finanziell zu belasten. Am Ende sind wir die Gelackmeierten.“