Schulsozialarbeiterin Beate Stuchtey kam in Altenholz bisher 30 Mal zum Einsatz

Anker für Problemfälle

Altenholz - Sie hatte mit Kindern zu tun, die sich zu Hause nichts mehr sagen lassen. Sie befasste sich mit Schülern, die ihre ganze Klasse aufmischen. Und sie war mit jungen Leuten konfrontiert, die Alkohol- und Drogenprobleme haben oder der Polizei bereits als Einbrecher bekannt sind. Seit September beschäftigt Altenholz auf Initiative der Regionalschule Beate Stuchtey als Schulsozialarbeiterin. Ein halbes Jahr nach Dienstbeginn erzählt sie von bislang 30 Einzelfällen.

Christian Hiersemenzel | kn | 01.03.2010

17:58 Uhr

 

          Foto: Hiersemenzel

 

 

 

 

Beate Stuchtey

ist Schulsozialarbeiterin in Altenholz. „Vom Erziehungskonflikt bis zum Drogenproblem sind die Themen hier in Altenholz ähnlich wie woanders auch“, sagt sie. „Alles andere wäre auch verwunderlich.“

 

Zwei Jahre hatte die Pädagogin als Schulsozialarbeiterin an der Fritjof-Nansen-Hauptschule in Gaarden gearbeitet, wo es angesichts von 26 verschiedenen Nationalitäten um Migrationsprobleme ging, um soziales Lernen, um Krisenintervention und die Beseitigung von Kommunikationsproblemen. Natürlich seien die Schwerpunkte in einer vergleichsweise wohlsituierten Gemeinde wie Altenholz andere, sagt Beate Stuchtey. Migrationsprobleme seien ihr jedenfalls noch keine begegnet. Und doch: „Ganz so anders ist es in Gaarden auch nicht.“ Vor allem bei der Drogenproblematik sei die Nachbarschaft zur Landeshauptstadt deutlich spürbar.


Wie ihre Arbeit konkret aussieht? Die 45-Jährige nennt zwei Beispiele. Beispiel eins: Max (elf, Name erfunden) wird regelmäßig im Schulbus von älteren Jungs geärgert. „Du siehst ja aus wie ein Affe“, sagen sie, und über die Wochen hat sich in Max eine Menge Ärger angestaut. Als alle am Stifter Dorfteich aussteigen, geht Max auf einen der Jungen zu, schnauzt ihn an und beginnt, als dieser nur noch lacht, zu treten und mit dem Ranzen auf ihn einzuschlagen. Max wird später zunächst als Gewalttäter dastehen. „Wenn man aber nachbohrt, ist das Ganze in einem ganz anderen Licht zu sehen. Max reagiert auf eine Zumutung, seine Frustrationstoleranz ist stark gesunken“, sagt die Sozialarbeiterin.

Beispiel zwei: Rebecca (13, Name erfunden) ist ein stilles Mädchen, ihre Schulleistungen haben nachgelassen. Sie ist in der Klasse ständigen Nadelstichen ausgesetzt. Mal zieht ihr jemand den Stuhl weg, wenn sie sich setzen will. Dann wieder ist ihre Federmappe versteckt, und wenn sie sich einer Gruppe Mitschülern nähert, verstummt das Gespräch. Rebecca sucht die Schuld bei sich selbst und versucht, solche Vorfälle zu vertuschen. „Lehrern fällt es schwer, das zu erkennen“, sagt Beate Stuchtey. „Oder sie sagen: Die ist aber auch wirklich seltsam.'“ Es ist die Aufgabe der Schulsozialarbeiterin, solche Mechanismen aufzudecken und Erwachsene davon zu überzeugen, dass sie eine Schutzfunktion ausüben. „Alle Täter sagen zunächst: Die nervt uns doch alle hier.' Und oft bekommen sie von den anderen Zuspruch, damit diese nicht selbst zum Opfer werden.“ Antiaggressions- und Coolnesstraining wendeten sich vor allem an die Täter. „Was aber ist mit dem Opfer und seinen Gefühlen?“ Beate Stuchtey hat eine Ausbildung für ein sogenanntes Stand-up-Training absolviert - ein soziales Gruppentraining für Mobbing-Opfer, um Selbstvertrauen zu gewinnen, sich zu emanzipieren und den Tätern Paroli zu bieten.

Braucht man für Fälle wie diese wirklich eine Schulsozialarbeiterin? Das alles hat es doch früher auch schon gegeben. „Was heißt hier schon früher“, reagiert die Expertin. Sie kenne Erwachsene, die davon berichten, wie schädigend sich Mobbing auf ihre eigenen Schulleistungen ausgewirkt hat. „Ganze Berufskarrieren haben darunter gelitten, die Psychosomatik wurde davon beeinflusst.“ Es sei kein Naturgesetz, dass man dagegen nicht etwas tun könne. Und müsse.

Beate Stuchtey ist unter Tel. 0176/17095039 und per E-Mail unter schulsozialarbeit.altenholz@gmail.com erreichbar. Bei Bedarf können Jugendliche mit ihr auch skypen.