„Extrem problematisch, dass in nicht öffentlicher Sitzung Tatsachen geschaffen wurden“

 

Sozialarbeit: Schulleiter spielen Politik den Ball zu

Christian Hiersemenzel | kn | 19.04.2010
18:06 Uhr
aktualisiert: 18:56 Uhr

 

Altenholz. Die vier Leiter der Altenholzer Schulen haben am Montag eine öffentliche Grundsatzdebatte zum Thema Schulsozialarbeit gefordert. Darüber hinaus wollen sie über Bürgervorsteher Volker Clauß mit den fünf Rathaus-Fraktionen ins Gespräch kommen, um die Notwendigkeit einer solchen Stelle darzulegen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die vier Altenholzer Schulleiter fordern eine öffentliche Diskussion (von links): Uta Fischer (Grundschule), Peter Wenners (Gymnasium), Thomas Haß (Regionalschule) und Wolfgang Lerch (Helene-Dieckmann-Förderschule).

 

Ich finde es extrem problematisch, wenn in einer nicht öffentlichen Sitzung Tatsachen wie diese geschaffen werden“, sagte Wolfgang Lerch, Leiter der Helene-Dieckmann-Förderschule. Ihm sei klar, dass die Gemeindevertreter verschiedene Argumente gegeneinander abwägen. „Aber abgesehen davon, wie man jetzt mit einer Kollegin umgeht, hätte man zuvor offen und transparent diskutieren müssen.“ Und dazu gehöre, dass Pädagogen, Eltern und Schüler Position beziehen. Wie berichtet, hatten die Gemeindevertreter kürzlich hinter verschlossenen Türen mit den Stimmen von CDU und AWG die Stelle der Altenholzer Schulsozialarbeiterin Beate Stuchtey nicht verlängert.

 

„Offensichtlich besteht ein Informationsdefizit“, sagte Thomas Haß, Rektor der Regionalschule, und nannte ein Beispiel der vergangenen Monate, bei denen die Schulsozialarbeiterin zum Einsatz kam: Eine Schülerin war ungewollt schwanger geworden, mochte das ihren Eltern aber nicht erzählen. „Das Vertrauensverhältnis zu Hause ist nicht immer vorhanden.“ Sollen Lehrer mit den Schülern nach Hause gehen, um die perplexen Eltern mit der Nachricht zu konfrontieren: Ihre Tochter ist schwanger? Uta Fischer, Rektorin der Claus-Rixen-Schule, findet das problematisch. „Bedenken Sie unsere Rolle: Wir müssen die Kinder auch weiterhin im Unterricht beurteilen, ihnen Noten geben. Eltern öffnen sich uns nur im Notfall.“ Eine Schulsozialarbeiterin könne dagegen neutral auftreten. Hinzu komme das Problem, dass den Pädagogen vormittags für Krisengespräche schlicht die Zeit fehlt - immerhin sollen sie dann unterrichten. Ein Dilemma. „Es geht doch nicht mehr darum, dass die Katze gestorben ist. Die Dimensionen haben unabhängig von Ort und Schulart zugenommen.“

 

Peter Wenners, Direktor des Gymnasiums, berichtet von Schülern mit Alkoholproblemen sowie von „mindestens sechs Mobbingfällen“, bei denen die Täter anonym übers Internet agierten und ihre Opfer im Chat verunglimpften. Natürlich müssten Klassenlehrer, wenn sie davon erfahren, das Problem im Unterricht ansprechen. Darüber hinaus aber seien viele Einzelgespräche nötig. „Dazu ist Frau Stuchtey als externe Person besser geeignet.“


Die Schulsozialarbeiterin wird im Lehrerzimmer der Regionalschule nach Beobachtung des Rektors Haß längst als Ansprechpartnerin akzeptiert, „ihre Fachlichkeit brauchen wir sogar“. Schüler würden ihre Lehrer oft nicht als Hilfe wahrnehmen - und das Jugendamt sei ihnen eine Spur zu offiziell.