Kieler Wirtschaftsjunioren erklären Schülern ihren Job

Berufsberatung direkt aus der Praxis

23.04.2010
14:16 Uhr
aktualisiert: 14:53 Uhr

Kiel. Sie sind jung, beruflich erfolgreich und können sich noch genau erinnern, wie es bei ihnen war, als das Ende der Schulzeit nahte. Seit sechs Jahren organisiert ein Arbeitskreis der Kieler Wirtschaftsjunioren Berufsfindungsprojekte für Realschüler, neuerdings auch für Gemeinschafts- und Regionalschüler. Die Nachfrage ist groß.

 

Oben: Gefragter Polizeimeister: Der frühere Bereitschaftspolizist und jetzige Einstellungsberater bei der Polizei in Eutin, Harun Biner (28) hatte viele Fragen zu beantworten.

Rechts: Von Inga Wollenberg (22), Personalmanagerin bei der Sparkasse, erfuhren die Schülerinnen und Schüler, worauf es bei der Bewerbung ankommt.

 

Fotos: Eisenkrätzer

 

Zehn Schulen standen in diesem Winter auf dem Programm - so wie jüngst die Regionalschule Altenholz. Wirtschaftsjunior Tobias Zienecker hatte im Vorfeld neun Referenten aus verschiedensten Berufsgruppen organisiert. Eine Erzieherin, ein Rechtsanwaltsgehilfe, ein Kaufmann, ein Polizist, ein Technischer Zeichner, ein Elektriker, ein Kfz-Mechatroniker, ein Tierpfleger und ein Immobilienkaufmann stellten sich in verschiedenen Workshops einen Vormittag lang den Fragen der Schülerinnen und Schüler und berichteten aus ihrem Berufsalltag. Außerdem gab es ein allgemeines Bewerbungstraining mit Tipps für den Lebenslauf, für die Formulierungen im Bewerbungsschreiben und fürs Auftreten beim Bewerbungsgespräch.

 

„Unsere Workshops richten sich an Neuntklässler und neuerdings auch Zehntklässler, die noch keine Berufsvorstellung haben“, sagt Zienecker. Ziel solle sein, dass die Schülerinnen und Schüler verschiedenste Berufsbilder mit allen Vor- und Nachteilen kennen lernen. „Und darüber kann jemand aus der Praxis besser berichten als ein Berufsberater.“ Die Jugendlichen nehmen das Angebot dankend an - wie Kim-Vanessa Woinowski (15), die einmal Hundeführerin beim Zoll werden möchte, sich im Juni bewerben muss und deshalb am Bewerbungstraining teilgenommen hatte: „Ich habe heute Vormittag viel gelernt“, sagte sie anschließend. Und Philipp Jensen (16), der sich für den Polizei-Workshop entschieden hatte: „Es war sehr aufschlussreich, ich habe viel über die verschiedenen Bereiche bei der Polizei erfahren.“

 

Wirtschaftsjunioren sind junge Unternehmer und angestellte Führungskräfte bis zum Alter von 40 Jahren aus allen Bereichen der Wirtschaft. Bundesweit sind es etwa 10 000 Mitglieder, sie sind derzeit in 208 Kreis- und zwölf Landesverbänden organisiert. Die Kieler Wirtschaftsjunioren gibt es seit 1958, sie zählen derzeit 70 aktive Mitglieder (bis 40 Jahre) und 73 Förderer. Das Berufsfindungsprojekt ist eines von mehreren Projekten der Kieler Wirtschaftsjunioren. Zu ihrer Motivation sagt Zienecker: „Wir sind gut gestellt und möchten etwas an die Gesellschaft zurückgeben.“

 

Wie viele Schüler sich nach dem Berufsfindungsprojekt für eine bestimmte Ausbildung entscheiden? „Nachverfolgen können wir es nicht“, sagt Wirtschaftsjunioren-Sprecher Björn Petersen, „aber es gibt einzelne Rückmeldungen, die positiv sind.“ Einige Schüler würden auch direkt Kontakt mit einem Referenten aufnehmen und ein Praktikum in dessen Betrieb machen. Und die stellvertretende Schulleiterin Anica Gehrmann erklärt: „Vergangenes Jahr war ein Referent hier, der hat gleich zwei unserer Schüler eingestellt.“