Julia Bock (vorn) übergibt im Altenholzer Rathaus ihre Arbeit an Wiebke Reese-Kläning.
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Gabriele Asmus | kn | 31.08.2010    16:31 Uhr

 

Altenholz. Morgens den Kollegen noch ein Frühstück ausgeben und mittags die Auflösung des Arbeitsvertrages beim Bürgermeister unterschreiben: kein einfacher Arbeitstag für die 27-jährige Julia Bock im Altenholzer Rathaus. Die Fachfrau für Finanzen wechselt zu Dataport, dem Dienstleister öffentlicher Verwaltungen in Norddeutschland für Informations- und Kommunikationstechnik. Mit Julia Bock wagten Gemeindevertreter und Rathaus als erste im Land vor vier Jahren den Umstieg von der bisherigen Haushaltsplanung zur Doppik.

„Ich war schon immer ein Zahlenmensch“, begründet die 27-Jährige das große Interesse an kommunaler Finanzplanung. Im August 1999 hatte sie als 16-Jährige mit Realschulabschluss im Rathaus ihre Verwaltungslehre angefangen.

 

Sieben Jahre später beschäftigte sie sich dann mit der Anpassung von Computerprogrammen durch den Pilotanwender Dataport auf schleswig-holsteinisches Haushaltsrecht. Die Änderungen durch Doppik beschreibt sie so: Vermögen und Schulden einer Kommune würden mit dem Prinzip der Gerechtigkeit zwischen den Generationen bewertet. Die Umsetzung allerdings, diese Erfahrung habe sie auch gemacht, sei für alle schwierig, die ihr Leben lang bei Investitionen mit Zins und Tilgung, aber nicht mit Abschreibung rechnen mussten. Mit der rückten Wertverluste zum Beispiel bei Fahrzeugen und Gebäuden in den Vordergrund sowie Ersatzbeschaffungen für nachfolgende Generationen.

 

Erst Ende 2006 begann eine einjährige Schulung, vorher habe es gar keine Seminare für Doppik gegeben. Jeweils einen Tag in der Woche verbrachte sie in der Verwaltungsakademie in Bordesholm. Den Rest der Zeit saß sie an ihrem Schreibtisch im Rathaus und begleitete Kollegen wie Kommunalpolitiker beim Planen von Haushalten und Jahresrechnungen. Nach ihrer fehlerlosen Prüfungsarbeit nahm sie das Bordesholmer Angebot an, an der Akademie als Dozentin zu unterrichten. Für den Kreis Rendsburg-Eckernförde schult sie die Auszubildenden, ihr Fachwissen ist bei Vorträgen landesweit gefragt.

 

In der Folge lief eine ganze Reihe von Stellenangeboten im Rathaus auf. „Es ist absolut bedauerlich, dass wir eine so hoch qualifizierte Mitarbeiterin verlieren“, sagt Bürgermeister Horst Striebich. Dabei ist der Übergang fließend: Bis Ende März verbringt Julia Bock noch 30 Prozent ihrer Arbeitszeit im Rathaus, um den Haushaltsplan 2011 und die Abrechnung für 2010 zu begleiten. Das finde sie angenehm, so könne sie sich „langsam entwöhnen“, denn elf Jahre im Rathaus seien eine lange Zeit gewesen. Bei Dataport wird sie weiter im Bereich kommunaler Finanzen tätig sein und weitere Gemeinden bei der Einführung der Doppik unterstützen - von Altenholz aus: „Ich könnte nicht fernab von meiner Familie sein.“ Der fließende Übergang ist auch für Nachfolgerin Wiebke Reese-Kläning angenehm, denn die 50-Jährige hat bislang in der Verwaltung der Stadt Schwentinental gearbeitet, mit Doppik aber in der Praxis noch nicht. „Das hat mich gereizt“, erklärt sie ihren Wechsel nach Altenholz. As

 

 

Anmerkung der Schule: Julia Bock hat 1999 ihren Realschulabschluss an der Realschule Altenholz gemacht.