19.09.2010 | 19:06 Uhr | kn | Christian Hiersemenzel

„Mut tut gut“: Jugendliche der „Nordlicht“-Jugendzentren sagen, wie sie darüber denken

Eigene Grenzen überwinden

Altenholz. Feuerspucken, wie es der 17-jährige Finn von der Regionalschule Altenholz zeigte, ist mit Sicherheit eher etwas für die Fortgeschrittenen: Unter dem Motto „Mut“ oder auch „Mut tut gut“ haben die „Nordlicht“-Jugendzentren aus dem Kieler Norden und den Umlandgemeinden Altenholz, Felm, Surendorf und Gettorf in den vergangenen Monaten dazu angeregt, auch im kleineren Rahmen die eigene Grenzen zu überwinden. Am Wochenende präsentierten Jugendliche ihre Ergebnisse.

 

Mut stand in den vergangenen Monaten im Mittelpunkt der Jugendzentren im Kieler Norden. Finn Moldenhauer aus Altenholz bewies seinen Mut beim Feuerspucken.

 

Was Mut für junge Leute bedeutet? „Wenn ich mich um Leute kümmere, die sonst keiner mag“, antwortete Sahra (13) bei einem Workshop des Präventionsprojekts „Sport statt Gewalt“, einem mobilen Angebot von Marina Klammer, Initiatorin der gesamten Aktion. „Wenn ich mich einmische, wenn jemand etwas zerstören will“, sagte Lukas (13). „Wenn ich zugebe, Unrecht zu haben“, schrieb Niklas (14) auf einen großen Zettel, und darauf war auch von Ruby (15) zu lesen: „Mut bedeutet, Bescheid zu sagen, wenn ich etwas kaputt gemacht habe.“

 

Der 14-jährige Nils vom Jugendzentrum Stifter Oase erzählte von einem Ausflug zum Hochseilgarten in Falckenstein, wo es vor allem darum ging, Höhenangst zu überwinden. Sicherlich habe jeder gewusst, dass man gesichert ist und eigentlich nichts passieren kann. Aber weiß man's?

„Ich hatte voll Angst, dass das Seil reißt.“ Der Jugendtreff aus Pries ließ Musik von einem Hiphop-Workshop vorspielen, und im Holtenauer Holtenau näherte man sich dem Thema mit Improvisationstheater.

 

Jugendliche seien allzu oft vom Gruppendruck beherrscht, bedauerte der Stifter Jugendpfleger Tobias Blank. Auf seine eigenen Fähigkeiten zu vertrauen, habe mit Selbstwertgefühl zu tun. „Häufig machen Jugendliche nur das, was sie ohnehin schon kennen.“ In einen anderen Treff zu fahren, wo man niemanden kennt, sei für viele indiskutabel. „Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, schieben viele gern von sich fort.“

 

Sein Klausdorfer Kollege Martin Greve nickte und erzählte von 15 jungen Leuten im Alter von 13 bis 19 Jahren, von denen inzwischen jeder raucht. Ungesund? „Ich weiß von jedem einzelnen, dass er nur der anderen wegen zur Zigarette greift.“ Nein zu sagen und zu seiner Entscheidung zu stehen, sei offenbar schwer.

 

Dabei wäre dies in mitunter wichtig. Der Jugendpfleger wagt mitunter in seinen Gruppen ein Experiment, bei dem er sich Mädchen im Treff bewusst viel näher setzt, als es üblich ist. Unangenehm? „Viele sind zu abhängig von der Anerkennung anderer“, stellte Martin Greve fest. „Unser Ziel ist es, jungen Leuten zu vermitteln, dass sie Nein sagen und Grenzen ziehen dürfen, mitunter sogar müssen.“ Erwachsene seien gefordert, hier ein Vorbild zu sein.