Beste Note: 5 – und keiner bleibt sitzen

Russische Lehrer zu Gast bei der Altenholzer Regionalschule – Begegnung mit dem deutschen Schulsystem

 

Altenholz. Priwjet und hallo!

Die Schüler der Klasse 7c der Regionalschule Altenholz ver-suchen, ein paar Wörter russisch zu sprechen. 15 Lehrer aus Kalinin-grad sind zu Besuch und hospitie-ren in den Klassen. Sie sehen sich aber nicht nur den Unterricht an, sondern erzählen auch Anekdoten aus dem rus-sischen Schulalltag. „5 ist die beste Note.“ Erstauntes Raunen und Lachen erfüllt die Klasse. „Eigentlich haben wir auch nur vier Noten, denn eine Eins wird so gut wie nie vergeben“, er- zählt Alexander Becker. So gäbe es weniger Möglichkeiten zu bewerten. Doch das ist nicht der einzige Unterschied. Während die Schüler in Deutschland die Abiturprüfung erst nach zwölf oder 13 Jahren ablegen, erreichen die russischen Schüler bereits nach zehn Jahren ihre Hochschulreife. So auch Becker, der mit 17 bereits zu studieren begann und nun mit 21 Jahren kurz vor dem Examen

steht. Er ist einer der wenigen Männer im Deutschstudium. „Lehrer verdienen in Russland nur sehr wenig. Es sind meistens Frauen, die den Beruf ausüben“, erklärt Lothar Lamb, Vorsitzender des Vereins Ostseebrücke. Die Ostseebrücke hat den einwöchigen Besuch der Deutschlehrer aus dem

 

Oblast Kaliningrad/Königsberg organisiert. Der Verein finanziert im ehemaligen nördlichen Ostpreußen Deutsch-kurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Spendengeldern. „Wir bekommen keine staatliche Unterstützung“, berichtet Lamb. Ziel sei es, die Deutsche Sprache in dem Gebiet zu

fördern. Russische Lehrer seien bei dem geringen Gehalt froh über den kleinen Nebenjob als Deutsch-lehrer in den Kursen des Vereins.

„Es ist ganz wichtig, dass die russischen Lehrer praktische Erfahrungen im Unterricht sammeln können“, erklärt Lamb. Denn auch methodisch unter-scheiden sich die beiden Schul-systeme. Frontalunterricht sei in Russland normal. Und die Anforderungen an den Lehrer seien höher, berichtet Becker. „In Russland bleiben Schüler nicht sitzen. Es gibt mehr Hausauf-gaben und die Lehrer sind strenger“, so Becker, der nicht nur als Deutschlehrer für die Ostseebrücke, sondern auch als Dolmetscher jobbt. Die Schulglocke klingelt, der Deutsch-unterricht in der 7c in Altenholz ist vorbei. Die Besuchergruppe verabschiedet sich: tschüss und paka. fhi

Rektor Thomas Haß (links) freute sich, dass Lothar Lamb (rechts) mit den russischen Lehrern auch die Regionalschule besuchte.   Foto Hiller

 

Anmerkung der Schule: Als Gastgeschenk wurde ein Teller mit Motiven aus Kaliningrad überreicht.