Anni, Hanna, Elif, Basti, Marieke, Anni und Lara (von links) testeten unter der Begleitung von Martina Fey sowie Holger und Ruth Lindner (hinten) drei Tage Elternzeit mit einem Babysimulator.           Foto Pörksen

 

„Das macht man sich vorher gar nicht klar“

Sieben Jugendliche waren für drei Tage Eltern auf Probe

Von Kai Pörksen

 

 

Altenholz. Sechs Mädchen und ein Junge im Alter von 13 bis 18 der Regionalschule Altenholz versuchten sich für drei Tage als Eltern auf Probe und betreuten rund um die Uhr einen Babysimulator. Sie erlebten ein realistisches Szenarium, das vor allem aufklären sollte über die Folgen einer zu frühen und ungewollten Schwangerschaft.

 

„Sagen Sie bitte nicht Puppe zu dem Simulator“, korrigiert Ruth Lindner den Reporter. Lindner und ihr Mann Holger betreuen im bereits siebten Jahr die Initiative der AWO des Kreisverbandes Plön, die sich zum Ziel gesetzt hat, die sozialen Kompetenzen Jugendlicher in Bezug auf deren Lebensplanung zu fördern - und im Falle einer Schwangerschaft die Übernahme von Verantwortung als Eltern einschätzen zu lassen. „Wir möchten ihnen einen realistischen Vorgeschmack auf die dann geforderte Elternrolle vermitteln“, so Lindner.

 

Lara (13) spricht aus eigener Erfahrung: Ihre Schwester wurde mit 14 Jahren schwanger, schmiss ihren Hauptschulabschluss und ist heute mit 19 Jahren in einer Fördermaßnahme, um den Schulabschluss nachzuholen. Und Anni (15) hat eine Bekannte, die mit 13 ihr erstes Kind erwartete, jetzt 23 Jahre alt ist und sechs Kinder zu versorgen hat. Schreckt das ab? „Nicht unbedingt“, sagt Anni, die auf jeden Fall Kinder haben möchte. Doch der dreitägige Test mit den Babysimulatoren habe schon die Augen geöffnet, wie schwer die Versorgung und auch wie teuer ein Baby sein kann.


Zum Programm des Projektes, in dem die 1000 Euro teuren Computer-Babys gewindelt, gefüttert und rund um die Uhr betreut werden wollen, gehörte auch der Besuch von Geschäften, um fiktive Einkäufe zu tätigen: Kleidung, Nahrung und Körperpflege. Die Überraschung war groß, als die Schüler feststellten, dass da schnell 550 Euro im Monat nur für das Baby erforderlich sind. „Das macht man sich vorher gar nicht klar“, stellte Annika (15) fest.

 

Sebastian ist mit seinen 18 Jahren einer der ältesten und vor allem der einzige Mann in dem Team. Er will Erzieher werden, deshalb hat er an dem Experiment teilgenommen und zuvor sogar ein vierwöchiges Praktikum in einem Kindergarten absolviert. Eiserne Nerven hat er dort schon bewiesen, doch nach dem Babytest ist auch er geschafft. Babyschreie in der Nacht haben auch ihn um den Schlaf gebracht.