21.12.2012

 

Simon und Jule haben ein Lebkuchenhaus gebastelt, während Alexander, Sebastian und Lukas (von links) sich in ihrem Projekt mit Glückskeksen beschäftigten.                                  Foto Hiller

 

Die Schulzeit versüßen

Projekte wie Backen und Basteln sind in der Klasse 9 Plus Teil des Schulabschlusses

 

Altenholz. Lebkuchenhäuser bauen und Glückskekse backen: Das gehört für die Schüler der Integrationsklasse 9 Plus der Regionalschule Altenholz zum Unterricht. Praxisnahe Projekte helfen ihnen, den Hauptschulabschluss zu schaffen. Dieses Erfolgsrezept hat die 9 Plus nun anderen Schülern vorgestellt.

Von Friederike Hiller

 

„Wir haben uns mit der Geschichte des Lebkuchens beschäftigt“, sagt der 16-jährige Simon. Seine Mitschülerin Jule (14) präsentiert  ein bunt verziertes Lebkuchenhaus. Im Nebenraum der Blockhütte in Altenholz-Klausdorf, die der Integrationsklasse als Schulhaus dient, erklären Alexander (17), Sebastian (17) und Lukas (16), wie Glückskekse entstanden sind. Sie haben selbst welche gebacken. „Die schmecken gut“, sagt anerkennend Bürgermeister Carlo Ehrich, der als Gast vorbeigekommen ist.

 

Glückskekse und Lebkuchen sind zwei der fünf Projekte, die die Klasse 9 Plus den Achtklässlern der Regionalschule präsentiert. Auch afghanische Drachen, Christstollen oder Mangas waren Projekte, die einen Teil des Hauptschulabschlusses ausmachen.

 

 

„Eigentlich haben wir ganz normal Schule“, erklärt Simon, was die Klasse 9 Plus seit 2001 ausmacht. Das Plus steht für Praxis, Lebensplanung und Schule. Es gibt eine Tafel, aber keine Stuhlreihen. Wenn alle zusammenkommen, sitzen die 20 Schüler zwischen 15 und 19 Jahren in einem Stuhlkreis. „Wir haben Ordner mit Arbeitsbögen, die wir ausfüllen. Dafür bekommen wir Punkte.“ Der praktische Anteil bringe die meisten Punkte, erklärt er den Achtklässlern. „Daher wählt euch gut die Projekte aus“, rät Simon zusammen mit seiner Lehrerin Heike Krömker-Krämer. Sie ist mit Merle Hauß Klassenlehrerin der 9 Plus. „Alle Schüler hier hatten Probleme, entweder in der familiären Situation oder waren nicht zu beschulen oder haben sonderpädagogischen Förderbedarf beim Lernen oder körpermotorisch“, sagt Krömker-Krämer. Die meisten Kinder hätten schlechte Schulerfahrungen gemacht und nur ein geringes Selbstbewusstsein. In der Blockhütte schräg gegenüber der Claus-Rixen-Grundschule sind sie unter sich. Das gefällt den Schülern. „Wir können uns immer Tee machen, wenn wir wollen“, und „entspannte Atmosphäre“, sind die Begründungen.

 

Ziel der Integrationsklasse sei der konkurrenzfähige Hauptschulabschluss, erklärt die Lehrerin. „Da haben wir eine gute Quote, fast alle schaffen es.“ Besonders wichtig sei auch die Ausbildungsreife. „Sie lernen, pünktlich und höflich zu sein und sich bei Krankheit zu entschuldigen.“ „Wir machen Praktika, daraus soll ein Praxistag entstehen, sodass wir einmal in der Woche in einem Betrieb

arbeiten“, erklärt Simon. Zudem gebe es eine Schülerfirma. Café 9 Plus übernimmt Cateringaufgaben. „Wir schmieren Brötchen mit Käse und Wurst und liefern sie unter anderem an die Claus-Rixen-Schule.“

 

Auch die enge Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit erleichtere den Weg in die Ausbildung, erklären die Lehrerinnen, die sich freuen, dass die Schüler als selbstbewusste Erwachsene ihre Blockhütte verlassen.