Sonnabend, 22. Juni 2013

 

„Ich werde nicht gehen, bevor Ihr an Euch glaubt“

Selbstbewusste Schüler waren Konrektorin Anica Gehrmann wichtig – Sie wurde gebührend verabschiedet

 

Bewegender Abschied von der Schule: Konrektorin Anica Gehrmann wird von den

Schülern aufs Herzlichste gefeiert.                                             Foto C. Müller

 

Altenholz. „Sie sind toll!“, skandiert die gesamte Regionalschülerschaft Altenholz von der Tribüne der Edgar- Meschkat-Halle am Freitag. Sprachlos steht Anica Gehrmann davor, umringt von Klassensprechern, die mit Buchstabenschildern „Danke und alles Gute“ in den Raum schreiben. Welch ein Abschied für die Konrektorin, die kurz vor dem 65. Geburtstag dem Schuldienst adé sagt. 38 Jahre war die engagierte Lehrerin an dieser Schule. 1975, zu Beginn von Anica Gehrmanns Laufbahn, war dies noch die Realschule. Sie ist das Urgestein aus dieser Zeit, dem nun Schulleiter Thomas Haß, Bürgermeister Carlo Ehrich und dann als Höhepunkt die Schüler diese ungeahnte Überraschung bereiten.

 

Zuerst sind die Achtklässler dran, die sie zuletzt unterrichtet hat. Ein Topf mit Orchidee wird aus einer Tüte befreit, ein großes Klassenfoto überreicht, eine kleine Rede ist vorbereitet. „Danke, dass Sie uns zu selbstbewussten Frauen und Männern gemacht haben“, sagen zwei Mädchen im Namen aller. Es folgt ein selbstgeschriebener Rap und donnernder Applaus. Dann gehen die Lichter aus, die Klassensprecher marschieren ein.

 

Anica Gehrmann kämpft mit den Tränen der Rührung. Lisa und Sina aus den Klassen 8a und 8d schluchzen. „Wir sind erst ein Jahr an dieser Schule“, sagten die 14-Jährigen. Doch Frau Gehrmann hat uns ins Herz geschlossen und wir sie!“

 

Da hat Ehrich den Nagel auf den Kopf getroffen, als er eben noch sagte: „Liebe Frau Gehrmann, eines Ihrer vielen Verdienste ist, dass aus Realschule und Hauptschule eine erfolgreiche Regionalschule wurde. Sie waren in dieser Phase kommissarische Schulleiterin. Es zeichnet Sie aus, dass Ihre Liebe immer ganz den Kindern galt.“

 

Der Rektor steht im Hintergrund, lächelt bewegt. Haß hat den morgendlichen Fünf-Minuten-Takt der auch im Kollegium hoch geschätzten Konrektorin nachgezeichnet: Als Erste war sie um 7 Uhr in der Schule, kümmerte sich um alles und jeden mit Leidenschaft. Und noch etwas wird sie unvergessen machen: ihre Theaterprojekte, mit denen sie Selbstvertrauen gestiftet hat. Das tut sie auch jetzt noch einmal. „Steht auf und sagt alle ganz laut Ich bin toll!“, ruft sie. „Ich werde nicht gehen, bevor Ihr alle an Euch selbst glaubt.“                          com