Mittwoch, 11. September 2013

Plädoyer für Schulsozialarbeit

In Altenholz Geschlossenheit über Parteigrenzen hinweg: „Weg für feste Planstelle frei machen“

 

Altenholz. Der Altenholzer Ausschuss für Schule, Sport und  Kultur zeigte am Montag Geschlossenheit in der Sache über Parteigrenzen hinweg, ungeachtet aller früheren Differenzen: Einstimmig empfahlen die Mitglieder den übrigen Entscheidungsgremien, den Weg für eine feste Planstelle eines Schulsozialarbeiters frei zu machen

Von Cornelia Müller

 

Der Antrag kam aus dem Rathaus. Im Schuljahr 2009/10 war bereits eine Schulsozialarbeiterin an der Regionalschule und am Gymnasium tätig. Allerdings hatte die Verwaltung den befristeten Vertrag nicht verlängert, nachdem in  ausschüssen und Gemeindevertretung darüber gestritten wurde und sich keine Mehrheit für den Beschluss fand.

 

An den Schulen wurde die Unterstützung schmerzlich vermisst. Nachdem dann aber Bundesmittel für Schulsozialarbeit zur Verfügung gestellt wurden, stimmten die Kommunalpolitiker erneut für einen befristeten Vertrag ab Dezember 2011.

 

 

Jan Kubitz (44) ist bisher Sozialarbeiter an den Al-tenholzer Schulen. Er ist voll ausgelastet.

Foto C. Müller

Der neue Sozialarbeiter Jan Kubitz übernahm die Stelle. Doch sein Vertrag läuft wie auch die Fördermittel am 31. Dezember dieses Jahres aus.

 

Die Leiter der Regionalschule und des Gymnasiums, Thomas Haß und Peter Wenners, sorgten vor der Abstimmung für Nachdruck. „Von 404 Regionalschülern wachsen 88, also 22 Prozent, in Familienverhältnissen auf, die extreme Schwiergkeiten für die Kinder mit sich bringen“, führte Haß aus. „In einer fünften Klasse mit 28 Schülern kann das Lehrerkollegium nur in vier Fällen auf Einzelfallbesprechungen verzichten. Wir würden den Sozialarbeiter sogar liebend gern allein beschäftigten.“ Wenners bestätigte, dass die Probleme auch am Gymnasium auf den Nägeln brennen. Schüler, die unter Medikamenten stehen, die unter ADHS, ADS oder Panikattacken leiden, für die spezielle Lernpläne geschrieben werden müssen, „sind an der Tagesordnung“. Der Sozialarbeiter sei unverzichtbarer Teil von Schule. „Das können Lehrer gar nicht leisten“, betonten beide. Dennoch kam es zum Schlagabtausch zwischen Heide König (CDU) und Bürgermeister Carlo Ehrich (SPD) wegen einer Formulierung im Antrag. König stieß sich daran, dass der Rückzug aus der Sozialarbeit 2010 mit der angespannten Finanzlage begründet war. „Es gab noch andere Gründe, doch das haben wir nicht öffentlich verhandelt“, führte sie an. Sie wollte den Zusatz gestrichen haben. Am Ende ging der unveränderte Antrag problemlos durch. Die Planstelle umfasst 32,5 Wochenstunden und kann die Gemeinde 40 000 Euro im Jahr kosten.

 

Streit um Formulierungen gab es zunächst auch bei einem zusätzlichen Tagesordnungspunkt. CDU und AWG beantragten, die Gemeinde möge mit TSV und Schule nochmals prüfen, ob die Belegung der Sporthallen verändert werden kann. Problem: Eine Handballmannschaft verzichtet auf eine Trainingseinheit, weil die Schule die Halle nutzt. Eine Überprüfung unter Federführung Ehrichs hat es schon gegeben. Aber Heide König und Barbara Suhr (AWG) waren nicht überzeugt, dass alle Möglichkeiten ausgeschöpft wurden. Peter Wenners legte das Problem detailliert aus Sicht seiner Schule dar. Danach konnten sich alle auf eine Formulierung einigen und stimmten für eine neue Gesprächsrunde inklusive Handballtrainer.