MONTAG, 4. NOVEMBER 2013

Drei Tage und zwei Nächte als „Eltern auf Probe“

Wohlder Jugendliche lernen im Awo-Projekt an Baby-Simulatoren den verantwortlichen Umgang mit Säuglingen kennen

 

Altenholz. Das Baby schreit. Es handelt sich zwar bloß um einen computergesteuerten Simulator, doch Janine (17) und ihr Freund Tim (18) kümmern sich sofort um den Säugling. Windeln wechseln klappt schon gut. Die Teenager machten am Wochenende beim dreitägigen Projekt Eltern auf Probe der Arbeiterwohlfahrt (Awo), Kreisverband Plön, mit. Insgesamt zehn Jugendliche aus der Regionalschule Altenholz und Freunde versuchten ihr Glück als Mütter und Väter. Was es bedeutet, für ein Baby zu sorgen – diese Erfahrung machten die 14- bis 21-Jährigen drei Tage und zwei Nächte. „Viele Anforderungen, die ein Säugling mit sich bringt, werden verdeutlicht“, erklärte Projektleiterin Ruth Lindner am Sonntag im Blockhaus beim Jugendzentrum Tümpel. Die Simulatoren können quengeln, husten und „Bäuerchen“  machen.

Geben dem computergesteuerten Baby die Flasche: Ein eigenes Kind ist für Celina und Andrej (beide 15) später durchaus vorstellbar.                                         Fotos Budde

 

 

Wollen Jugendlichen mit dem Projekt Eltern auf Probe zeigen, welche  Verantwortung ein Baby mit sich bringt: Die Eheleute Ruth und Holger Lindner sowie Sonderschullehrerin Heike Krömker-Krämer (von rechts).

Auch groben Umgang registriere der Computer. So lernten die Jugendlichen, die Flasche zu geben und dabei den Kopf des Plastik-Babys richtig zu halten. „Das Füttern kann eine halbe Stunde dauern“, sagte die pädagogische Fachkraft, die Eltern auf Probe mit Ehemann Holger betreut. „Das Projekt verfolgt nicht das Ziel, junge Menschen grundsätzlich von einer Schwangerschaft abzuhalten“, so der Diplom-Pädagoge. Es gehe um einen Vorgeschmack auf eine mögliche Elternrolle. Über Verhütung und plötzlichen Kindstod wurde auch gesprochen. Ebenso stand Einkaufen auf dem  Programm. So sollten die Jugendlichen erfahren, wie teuer Windeln und Milch sind, sagte Sonderschullehrerin Heike Krömker-Krämer von der Helene-Dieckmann-Schule, die das Projekt mit Regionalschullehrerin Merle Hauß betreut. Die Zeit mit dem Säuglings-Simulator fanden Janine und Tim zwar anstrengend. Ihren Wunsch, irgendwann ein Kind zu haben, beeinflusste die Elternschaft auf Probe aber nicht.

 

„Ich möchte gern eine eigene Familie haben“, sagte der Auszubildende. Seine Freundin nickte: „Es ist schön, wenn das Baby lacht.“ Allerdings sei es gewöhnungsbedürftig, nachts aufzustehen, wenn das Baby weine. Celina (15) und ihr Freund Andrej (15) wechselten sich deshalb ab, wenn sich der Simulator meldete. Finanziert wird das Projekt vom Sozialministerium. Schule und Teilnehmer übernehmen einen Anteil.      bud