Sonnabend, 1. November 2014

 

 

Malte (rechts) aus der neunten Klasse des Gymnasiums interessiert sich für Hightech made in Altenholz. Feinoptikermeister Hauke Korth zeigt ihm einen Calciumchloridkristall, den seine Firma herstellt für hochkomplexe optische Geräte, zum Beispiel Teleskope.

Fotos C. Müller

Viele Vorurteile über Bord geworfen

Ausbildungsmesse in Altenholzer Sporthalle begeisterte Jugendliche

 

Altenholz. Kristalle wachsen lassen, System in Steuersachen bringen, Servietten brechen: Altenholzer Schüler aus den Klassen acht bis zehn haben gestern viel übers Berufsleben gelernt und Vorurteile über Bord geworfen. Die Ausbildungsmesse in der Sporthalle begeisterte Jugendliche genauso wie die 28 Aussteller aus der Region. Ausgerechnet Finanzamt? „Hier verliert man Voruteile“, sind sich die Neuntklässler Celina, Robin, Jette, Marie und Max einig (von links). Sie lassen sich von Gianna-Selina Holldorf, die im dritten Jahr der dualen Ausbildung mit Studium ist, den Beruf Finanzwirt erklären.

                                                                                                Von Cornelia Müller

 

Robin hat schon eine Vorstellung, was er nach dem Realschulabschluss an der Gemeinschaftsschule werden könnte. „Ich spreche gern mit Menschen. Außerdem möchte ich einen Beruf, der mir Aufstiegschancen gibt. Immobilienmakler zum Beispiel.“ Der 15-Jährige hat sich diese Gedanken schon vorab gemacht. Im Wirtschaft/Politik-Unterricht waren Praktikum, Ausbildung und Beruf Thema. „Und wir reden hinterher nochmals darüber“, sagt Robin. „Ich finde das prima.“

 

Am Stand der Steuerverwaltung Schleswig-Holstein hat sich eine Schlange gebildet. Hier geht es um den Beruf des Finanzbeamten. „Finanzwirt heißt das“, erläutert Gianna. Selina Holldorf, selbst noch in der dualen Ausbildung mit Studium für den gehobenen Dienst. Die 22-Jährige hat in Altenholz Abi gemacht. Dann  entschied sie sich „trotz Sprachprofils“ fürs Steuerfach, „das sehr vielseitig und anspruchsvoll ist“. „Wir hatten Vorurteile gegen Finanzbeamte“, räumen Max und Celina aus der Neunten ein. „Aber das klingt hier interessant.“ Das Infomaterial wollen sie genau studieren.

 

Ein Plakat über das gigantische Weltraumteleskop in Chile und ein Fahrrad, in dessen Korb Kristalle glitzern, hat Malte an den Stand von Feinoptikermeister Hauke Korth gelockt. „Ich bin Chemiefreak“, sagt der 15-jährige Gymnasiast. Er will genau wissen, was es mit den Prismen aus Calciumchlorid auf sich hat. „Es sind Sonderanfertigungen für optische Geräte mit extremen Anforderungen, wie Teleskope“, klärt der Inhaber der Firma Kohrt Kristalle auf. Dass Feinoptiker damit zu tun haben, ist nicht nur für ihn neu. Was für ein spannender Beruf!

 

Einige Aussteller sind erstmals vertreten, auch das Hotel Acqua Strande. Valentina, Julia und Christine staunen, was Hotelfachfrau Tina Davila Arcia alles erzählt von ihren Auslandsaufenthalten. Die Neuntklässlerinnen probieren aus, wie man Teller hält, und falten Servietten in Form. „Das es brechen in der Fachsprache heißt, weil sie gestärkt sind, leuchtet ein“, überlegt Christina. Nicht nur für das Hotelteam ist das ehrliche Interesse der jungen Besucher „ein echtes Highlight“. Die Neuen haben daher auch schon für 2015 zugesagt, wenn der Handels- und Gewerbeverein sowie die Gemeinde wieder zur Ausbildungsmesse ins Schulzentrum einladen.

 

 

 

Ausgerechnet Finanzamt? „Hier verliert man Voruteile“, sind sich die Neuntklässler Celina, Robin, Jette, Marie und Max einig (von links). Sie lassen sich von Gianna-Selina Holldorf, die im dritten Jahr der dualen Ausbildung mit Studium ist, den Beruf Finanzwirt erklären.