Mehr Begeisterung für Französisch

Das Sprachmobil machte Station in Altenholz – Lektorin vermittelt auch Kultur des Nachbarlandes

Von Kai Pörksen

Amadine Ivan gehört zum Team „France Mobil“, das im Auftrag des Institut Français Deutschland Schulen im ganzen Land ansteuert, um für die Fremdsprache Französisch zu werben. Nun besuchte die 26-Jährige die Altenholzer Gemeinschaftsschule. Jede Woche besucht France Mobil drei Schulen.

 Foto: Kai Pörksen

Unterricht mit Körpereinsatz: Schülerin Ezgi Demirbas setzt auf die richtige Fotokarte.

Altenholz. Ezgi Demirbas gibt alles. Mit vollem Körpereinsatz stürzt sich die 14-jährige Schülerin der Klasse 8F auf eines der Fotos auf dem Klassenboden und hebt es auf. „Bravo“, sagt Lektorin Amadine Ivan. Die 26-jährige Französin möchte an diesem Dienstagvormittag den Schülern der Altenholzer Gemeinschaftsschule das Fach Französisch schmackhaft machen. Sie spielt Musik in ihrer Heimatsprache vor, und anhand der Sprache können die Jugendlichen das richtige Foto finden.

„Wir möchten wieder mehr Schüler für die Sprache Französisch begeistern“, erklärt Astrid Urban, eine von zwei Lehrerinnen dieses Faches, den Hintergrund der Aktion. Denn Amadine Ivan musste eigens angefordert werden: Sie gehört zum Team „France Mobil“, jenen kleinen „Kulturinstituten“ auf Rädern, die im Auftrag des Institut Français Deutschland die Schulen im ganzen Land ansteuern, um für die Fremdsprache Französisch zu werben.

Seit Anfang September fahren zwölf französische Lektoren mit ihren Renault Kangoos ein Jahr lang durch Deutschland, um Sprache und Kultur Frankreichs zu vermitteln. Die Termine sind knapp, und so freut sich Urban, dass es doch noch zu einem Treffen kommen konnte – wenn auch ohne Kangoo, denn der musste außerplanmäßig in die Werkstatt. „Macht nichts“, sagt die Französin aus Lyon lässig mit einem Lächeln, es gehe auch so. Leger vermittelt sie den Schülern gleich ein wenig Geografie. Und die Jugendlichen sind erstaunt, in wie vielen Ländern Französisch gesprochen wird: Allein in fünf Ländern in Europa (Frankreich, Belgien, Schweiz, Luxemburg, Monaco), dann die vielen afrikanischen Länder und Kanada. Etwa 80 Millionen Menschen dient Französisch als Muttersprache. Eine Weltsprache, die von rund 230 Millionen Menschen auf allen Kontinenten in über 50 Ländern gesprochen wird.

Und doch gehen die Zahlen bei Jugendlichen zurück. „Momentan ist es eher Mode, Spanisch zu lernen“, sagt Urban. Dabei werde die Bedeutung des Französischen unterschätzt. So hätten sich statt bisher gewohnt 25 nur noch zehn Schüler für den nächsten Französischkursus angemeldet. „Manchmal haben wir den Eindruck, die Schüler denken, wir hätten die Sprache nur erfunden, um sie zu ärgern“, scherzt die Altenholzerin. Doch an diesem Vormittag haben die Schüler ihren Spaß. Das nächste Foto mit dem Songtitel Oublie moi (Vergiss mich) ergattert Henri. Doch genau das werde er wohl nicht, sagt der 14-Jährige. Er wolle mehr Französisch lernen.

Programm „France Mobil“

Das Programm „France Mobil“ wurde 2002 von der Robert-Bosch-Stiftung und der französischen Botschaft in Berlin ins Leben gerufen. Renault Deutschland stellt die Fahrzeuge zur Verfügung, mit denen die Lektoren Kindergärten und Schulen im Land ansteuern. Amadine Ivan ist zuständig für Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Drei Schulen je Woche besucht sie von ihrem derzeitigen Wohnsitz Hamburg aus. Die Programme France Mobil und sein Pendent in Frankreich wurden bereits 2004 für ihr vorbildliches Engagement in der deutsch-französischen Zusammenarbeit mit dem Adenauer-de-Gaulle-Preis ausgezeichnet. kp