13. Oktober 2016

Farbenfrohe Bilder wecken Hoffnungen

Gemeinschaftsschüler entwarfen Visionen für das Gelände der Ladenzeile

Irritationen um ein Protestschild

Von Kerstin v. Schmidt-Phiseldeck

 

Florist Volker Kalinka freut sich über die Aktion der Gemeinschaftsschüler. Direkt hinter dem Bild mit Blumenladen hatte er früher sein Geschäft. ©

Altenholz. Fröhliche Visionen in Acryl hängen jetzt am Bauzaun um die frühere Ladenzeile in Altenholz-Stift: Neunt- und Zehntklässler der Gemeinschaftsschule haben sie aufgehängt. Zwischenzeitlich sorgte allerdings ein Protestschild für Irritationen.

Eigentlich war Florist Volker Kalinka schon auf dem Weg nach Hause. Doch dann entdeckte er genau dort, wo vor dem Großbrand im November 2014 sein Geschäft stand, am Bauzaun das Bild einer Schülerin: mit einem Blumenladen. Das musste er natürlich fotografieren! Das Kunstprojekt sei eine nette Idee, findet der Florist: Es lenkt wieder ein bisschen Aufmerksamkeit auf das Gelände. „Da hinten“, zeigt er, ist noch der Abgang zu seinem Keller zu sehen. Noch während es damals brannte, bestellte er den Container, in dem er nun seit fast 23 Monaten provisorisch sein Geschäft betreibt. Natürlich hofft er sehr, dass die jüngsten optimistischen Signale aus dem Rathaus in Sachen Einkaufszentrum in Stift bald Wirklichkeit werden.

Kunstlehrerin Maria Christensen von der Gemeinschaftsschule hängte die Bilder am Dienstag mit ihren Schülern aus dem Wahlpflichtkursus auf. Sie entstanden während eines Projektes, in dem es um Lebenserhaltung und Wiederherstellung geht: „Und das hätten wir ja gerne in Stift.“ Die Schüler schauten sich deshalb mit ihr die Brache an, entwarfen Ideen, was dort Schönes entstehen könnte.

Für ihre positiv gestimmten Acrylbilder ließen sie sich vom Künstler Friedensreich Hundertwasser inspirieren. Er gestaltete Häuser so, dass sich die Menschen darin wohlfühlen. Auch die Natur spielt bei ihm eine wichtige Rolle. Wochenlang arbeiteten die Schüler an ihren Werken. Nach Rücksprache mit der Gemeinde durften die wetterfesten Bilder dann aufgehängt werden. Die Idee: Die farbenfrohen Visionen für eine angenehme Zukunft sollen hängen bleiben, bis auf dem Gelände etwas Neues entsteht. „Wir hoffen, dass es keinen Vandalismus gibt“, sagte Christensen.

Doch dann der Schreck am Mittwochmorgen: Auf dem Weg zur Schule sah die Lehrerin, dass ein Bild fehlte und stattdessen ein Protestschild dort hing, das von Skandal und zu Ende gehender Geduld kündete. „Wir wollten einen netten Beitrag leisten – keine politische Aktion“, stellt Christensen klar. Sie möchte nicht „mit diesen Parolen in Verbindung gebracht werden.“

Der naheliegende Verdacht, dass der Initiator der Protestaktion das Schülerbild entwendet haben könnte, bestätigte sich aber nicht: „Ich habe kein Bild entfernt, ich habe meines dazu gehängt“, sagte der Mann. Sein Beweggrund: Die Kinder sollten nicht alleine protestieren. Doch um Protest geht es bei den Werken nicht, stellt die Lehrerin klar. Sie weiß nun auch, warum ein Bild verschwand: Eine junge Künstlerin wollte an ihrem Werk noch etwas ausbessern.

Florist Volker Kalinka will am 26. November, dem zweiten Jahrestag des Brandes, – wie schon am ersten – eine Kerze mit einem Blumenstrauß vor den früheren Laden ablegen. „Ich hoffe, dass dann Licht am Ende des Tunnels ist.“

Nichts zu sehen: In der großen Lücke zwischen den Bildern hing kurzzeitig ein Protestschild. Es wurde am Mittwoch vom Bauhof der Gemeinde entfernt. ©