Sonnabend, 2. September 2017

 

Enttäuschung zum Ferienende: Containerklassen nicht fertig

Das Herrichten für die Gemeinschaftsschule Altenholz dauert länger als erwartet

Von Kerstin v. Schmidt-Phiseldeck

 

Um eine Musterkonstruktion für das Stützsystem zu bauen, wurde am Freitag einer der 22 Schulcontainer zu einer Metallbaufirma nach Gettorf transportiert. ©

Altenholz. Neues Schuljahr, alte Sorgen: „Wir wissen nicht, wo wir die Kinder lassen sollen“, sagt Thomas Haß, Leiter der Gemeinschaftsschule in Altenholz. Denn zum Unterrichtsstart am Montag werden die erhofften Räume in den Containern nicht zur Verfügung stehen.

Zwar erhielt die Gemeinde in den Sommerferien die Baugenehmigung für den Umbau. Doch vor Weihnachten werden die Räume nicht fertig sein. „Wir hatten darauf gesetzt, dass das mit den Containern zügig vorangeht“, sagt der frustrierte Schulleiter: „Wir warten jetzt seit zwei Jahren.“

Der Schule fehlten zum Beispiel Differenzierungsräume für die Gemeinschaftsschüler. Und: „Wir haben 30er-Klassen ohne Gruppenraum.“ Zudem gab es bei den Fünftklässlern mit 66 Schülern 50 Prozent mehr Anmeldungen als erwartet. Der Jahrgang startet also in drei Klassen.

„Wir brauchen die Räumlichkeiten, um unseren pädagogischen Auftrag zu erfüllen“ Thomas Haß, Leiter der Gemeinschaftsschule

In den Containern auf dem Fundament der abgerissenen Pavillonklassen sind in drei einzelnen Gebäuden zwei DaZ-Klassen vorgesehen, außerdem die Bibliothek, ein Gruppenraum für differenziertes Lernen, ein 70 Quadratmeter großer Klassenraum und Lagerfläche für den Hausmeister. Der, erläutert Thomas Haß, müsse zurzeit Tische und Stühle auf den Fluren der Gemeinschaftsschule unterbringen: „Weil er keine Alternative hat.“ Auch das schon für die Container angeschaffte Mobiliar muss irgendwo zwischengelagert werden. „Ich bin schockiert“, sagt der Schulleiter zur Situation. Auch sonst sei in den Ferien bis auf ein bisschen Streichen „nichts passiert“. So hätten drei Klassen Schallschutz bekommen sollen, ein Teil der Lehrküche sollte erneuert werden.

Auch die Gemeindeverwaltung hatte zunächst gehofft, dass die im April gelieferten Container zum neuen Schuljahr bezugsfertig sein würden, erklärt Anja Schwarze, zuständig für Liegenschaften und Baumaßnahmen. Nach der Planung sei im Juni der Bauantrag gestellt worden. Und während der Ferien war vom Kreis die Genehmigung für den Komplex eingetroffen. Doch das Zusammenpuzzeln der 22 weißen Blechbüchsen erfordert noch einige Arbeit.

Der Zeitaufwand ist ähnlich wie bei Modulbauten

Dennoch ist die Altenholzer Bauamtsleiterin Bianca Hess heilfroh, diesen Weg gewählt zu haben. Denn andernorts erlebte eine Gemeinde gerade eine böse Überraschung mit Containern, die das Land Anfang des Jahres kostenlos an Kommunen und gemeinnützige Organisationen abgegeben hatte. In Horstedt (Kreis Nordfriesland) war man davon ausgegangen, die angeschafften Container einfach zusammenkoppeln zu können, um Platz für Werkunterricht an der Schule zu schaffen. Doch das scheiterte an technischen Details wie Brandschutz sowie Statikfragen – und am fehlenden Bauantrag.

„Genau diese Bedenken hatten hier auch Mitarbeiter“, sagt Bauamtsleiterin Bianca Hess. Deshalb habe man diese Fragen bereits vorab abgearbeitet. So wurde ein Statiker eingeschaltet, um die Standsicherheit des Schulgebäudes zu gewährleisten, ein Feuerschutzkonzept erarbeitet. Der Bauantrag wurde dann auch ohne Auflagen genehmigt.

Um größere Räume aus den Containern zu schaffen, werden einige Wände der Module herausgenommen. Mit einer Stützkonstruktion, die in den nächsten vier, fünf Wochen von einer Gettorfer Firma hergestellt wird, sollen die Blechbüchsen dann verbunden werden. Es folgt der Innenausbau mit Fußboden, Wandverkleidung, Elektroinstallation. Die drei einzelnen Gebäude bekommen ein Pultdach, „damit man vernünftig entwässern kann“, erklärt Anja Schwarze. Letztlich sei der Zeitaufwand ähnlich wie bei den Modulbauten, die die Gemeinde ursprünglich anschaffen wollte.