1. Dezember 2017

 

Noch überaltert, aber gute Perspektiven

Schulentwicklungsplanung in Altenholz: Gemeinde profitiert von der Pendelnähe zur Landeshauptstadt Kiel

Von Kerstin v. Schmidt-Phiseldeck

Das Schulzentrum in Stift mit Grundschule (rechts) und weiterführenden Schulen: Auf den Fundamenten im Vordergrund werden mittlerweile die Containerklassen hergerichtet. ©

Altenholz. In nur 15 Minuten mit dem Taxi vom Kieler Bahnhof ins Rathaus Altenholz: Für den aus Köln angereisten Referenten sind das fast paradiesische Verhältnisse im Feierabendverkehr. Diese Erfahrung steht aber auch für die günstige Lage von Altenholz am Stadtrand: Davon profitiert die Gemeinde bei ihren Schulen.

Um deren Zukunft ging es am Mittwoch im Ausschuss für Schule, Sport und Kultur: Die Gemeinde möchte mit einer Schulentwicklungsplanung ermitteln, welche Betreuungs- und Bildungsangebote Altenholz benötigt. So sollen die Standorte mit den erforderlichen Räumen sowie ein tragfähiges Schulangebot gesichert werden. Als Basis dienen unter anderem sozialwissenschaftliche Daten und eine kleinräumige Bevölkerungsprognose, die ein externes Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen erstellte.

Dessen Leiter, Wolf Krämer-Mandeau, erläuterte dem Schulausschuss, was Altenholz erwartet. Mit einer Zuwachsrate von 4,3 Prozent an Einwohnern in den vergangenen zwei Jahrzehnten liegt die Gemeinde knapp unter dem Landesschnitt. Zudem sei Altenholz derzeit stark überaltert. Dennoch rechnet er in Zukunft mit einer deutlichen Verjüngung: weil die Gemeinde in Pendelnähe zu Kiel vom fehlenden Wohnraum in der Landeshauptstadt durch Zuzug profitieren kann. „Jedes Baugebiet, das Sie realisieren können, ist interessant“, erklärte der Experte. Die Gemeinde habe Wohnbaupotenzial, zudem gibt es Bewegung im älteren Bestand.

Im Grundschulbereich sei davon auszugehen, dass die Schülerzahlen mittelfristig nicht mehr sinken und langfristig sogar steigen würden, erklärte Wolf Krämer-Mandeau. Die einzügige Grundschule in Stift erreiche dadurch die Grenze zur Zweizügigkeit: Darauf sei die Gemeinde nicht eingestellt.

Am Schulzentrum in Stift ist aus Sicht des Experten in Zukunft eine Mensa erforderlich.

Zudem ist Altenholz bei den weiterführenden Schulen ein „Einpendler-Standort“. Zuletzt besuchten gut 80 auswärtige Schüler die Einrichtungen – allein aus Dänischenhagen kommen etwa 25. Gemeinschaftsschule und Gymnasium in Altenholz hätten den Ruf, „da kannst du hingehen“, erklärte Wolf Krämer-Mandeau: Den sollten die Schulen sich bewahren und stärken.

Im Kreis Rendsburg-Eckernförde werde künftig durch den Geburtenrückgang „jedes dritte Kind fehlen“. Neubauprojekte könnten dennoch zu einem deutlichen Anstieg in den Klassenstärken in Altenholz führen – etwa ab 2020. Wolf Krämer-Mandeau rechnet damit, dass allgemein in Deutschland das Gymnasium zur Mehrheitsschule wird. In Altenholz erwartet er für diese Schule fünf Klassen pro Jahrgang als „sicher“; die Gemeinschaftsschule bewege sich an der Grenze zur Dreizügigkeit. Die Claus-Rixen-Grundschule werde längerfristig wohl vierzügig.

Überraschend war die Einschätzung des Experten zur Raumsituation. Die sei an der Gemeinschaftsschule – die immer wieder auf Raumnot hingewiesen hatte – gering: Es fehlten perspektivisch drei Räume. Ohne die neuen Containerklassen, die gerade hergerichtet werden, wären es allerdings sechs. Dem Gymnasium fehlten hingegen neun Räume. Zudem sei in Zukunft am Schulzentrum Stift eine Mensa erforderlich, weil der Bedarf an Ganztagsbetreuung steigen werde.

In etwa fünf Jahren steigen die Schülerzahlen

Da eine relevante Steigerung der Schülerzahlen wohl erst in etwa fünf Jahren beginnt, hat Altenholz etwas Zeit für die Planung. Der Experte riet aber davon ab, das „Flaggschiff Gymnasium“ auf vier Klassenzüge zu begrenzen. Andrea Eick, Schulleiterin der Claus-Rixen-Schule, warb dafür, die Grundschule an beiden Standorten zu erhalten. Darüber müsse man jetzt mit der Schulaufsicht diskutieren, erklärte dazu gestern Bürgermeister Carlo Ehrich. Jungen Familien müsse man etwas bieten – auch in Stift.